![]() |
Provinz und Stadt Triest
Österreichische Herrschaft (1382-1919) Triest war von 1382 bis 1919 österreichisch. Das Protektorat entwickelte sich unmerklich in ein wirkliches Besitzverhältnis. Abgesehen von wiederholten Besetzungen durch Venedig und der napoleonischen Periode (1797, 1805-1806 und 1809-1813) blieb Triest bis zum Ersten Weltkrieg ein Teil des habsburgischen Österreichs. Triests Aufstieg in der Donaumonarchie begann 1719 mit der Erhebung der Stadt zum kaiserlichen Freihafen durch Karl VI. – ein Status, den die Stadt bis 1891 beibehielt. Karls Nachfolger Maria Theresia und Joseph II. unterstützten Triests wirtschaftlichen Aufschwung durch das Anlegen städtebaulich wichtiger Viertel, der „Maria-Theresien-Stadt“ (Borgo Teresiano) und der „Josephsstadt“ (Borgo Giuseppino) westlich bzw. östlich des heutigen Hauptplatzes. Als einziger großer Seehafen Österreich-Ungarns nahm Triest eine wichtige strategische Stellung in der Habsburger Monarchie ein. Der Druck Venedigs hemmte jedoch lange Zeit die wirtschaftliche Entwicklung Triests. Erst die Eroberung Venedigs durch Napoleon am Ende des 18. Jahrhunderts und der anschließende Friede von Campo Formido, in dem Venedig Österreich-Ungarn zugesprochen wurde, leitete den Niedergang der Serenissima und die Blütezeit Triests ein. Mit österreichischer Unterstützung löste Triest Venedig in seiner führenden Rolle im Handel mit dem Nahen Osten ab und entwickelte sich zum größten Handelszentrum der Adria. 1802 liefen Triest 5.442 Schiffe an, die 483.326 Tonnen Güter umschlugen. Am Höhepunkt der Blütezeit Triests, rund 100 Jahre später, waren es mehr als doppelt so viele Schiffe und mehr als 10 Mal so viel Güterumschlag. Haupthandelsgüter waren Kaffee, Zucker und Südfrüchte sowie Weine, Öle, Baumwolle, Eisen, Holz und Maschinen. Unter Napoleon wurde Triest 1809 den Illyrischen Provinzen zugeschlagen und damit bis 1814 französisch. Diese kurze Zeit hinterließ ihre Spuren in klassizistischen Bauwerken wie u. a. in der Triestiner Oper Teatro Verdi, die nach den Plänen des Architekten Matthäus Pertsch entstand. 1813 wurde Triest von Österreich unter General Lattermann zurückerobert. Am 1. Juli 1829 führte Joseph Ressel mit der in Triest erbauten „Civetta“ die erste erfolgreiche Testfahrt mit einer Schiffsschraube durch. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es dann zur Gründung von Versicherungsgesellschaften, Werften, Bankniederlassungen und Schiffahrtsunternehmen. Darunter etwa die Assicurazioni Generali (1831), der Österreichische Lloyd (1832), die Werft „San Marco“ (1839/1840), die Werft Giuseppe Tonellos (1852) und 1860 das Llyod-Arsenal, da die privaten Werften dem schnell wachsenden Schifffahrtsunternehmen mit der Produktion nicht mehr nachkommen konnten. 1857/58 entstand aus der Maschinenfabrik Strudenhoff in Sant' Andrea und der Werft San Rocco das Stabilimento Tecnico Triestino (S.T.T.) in Muggia, gegenüber von Triest. Dieses neue Großunternehmen kaufte 1897 auch die mittlerweile zur Großwerft ausgebaute Werft von Giuseppe Tonello dazu. Die S.T.T. war in der Lage Schiffe mit einer Verdrängung von bis zu 20.500 Tonnen – etwa die großen Schlachtkreuzer der k. u. k. Kriegsmarine – zu bauen. Nachdem die Vorherrschaft Napoleons in Italien überwunden worden war, kam es im Kaiserreich Österreich – wie auch in anderen Teilen Europas – zur Revolution, die Folge von politischen und nationalen Problemen war. In Oberitalien erreichten die Aufstände gegen die österreichische Herrschaft und für einen geeinten italienischen Nationalstaat (siehe auch Risorgimento) im Jahre 1848 ihren Höhepunkt. Während der italienischen und ungarischen Revolutionen blieb Triest Österreich-Ungarn treu und erhielt den Titel Città Fedelissima – die „allergetreuste Stadt“. 1867 wurden Triest und das unmittelbar angrenzende Territorium als separates Kronland konstituiert. Gleichzeitig war es Sitz des Statthalters des österreichischen Küstenlandes, der auch für die benachbarten Kronländer Görz und Gradisca und Istrien zuständig war. Allerdings setzte auch in dem zum größten Teil von Italienern bewohnten Triest eine zunehmende italienische irredentistische Bewegung ein, die darauf abzielte, Triest als italienischsprachiges Gebiet von Österreich-Ungarn loszulösen und dem 1861 gegründeten Nationalstaat Italien anzuschließen. Der Irredentismus hatte seinen Höhepunkt, als 1882 Kaiser Franz Joseph I. Triest anlässlich der 500-jährigen Dauer der habsburgischen Herrschaft über die Stadt besuchte. Während antiösterreichischer Demonstrationen entging der Kaiser nur knapp dem Bombenattentat von Guglielmo Oberdan und seinen Komplizen. Triest blieb im Nationalitätenkampf bis 1914 einer der heißesten Konfliktherde Österreich-Ungarns. Trotz der politischen und nationalen Probleme blühte Triest wirtschaftlich und kulturell auf. Zwei Hauptbahnstrecken, die Südbahn (ab 1854) über den Semmering nach Wien und die Tauernbahn (ab 1909) über Görz und Villach nach Salzburg, verbanden Triest mit Wien und zahlreichen wichtigen Städten der kaiserlich-königlichen Monarchie und unterstützten den Güterverkehr. Die Hafenstadt zog innerhalb der kaiserlich-königlichen Monarchie unter anderem den Hauptnutzen aus dem 1869 eröffneten Sueskanal. Österreichische Industrieerzeugnisse wurden nun auch in der Türkei, in Ägypten und Syrien abgesetzt. Ab 1867 wurden die alten Hafenanlagen, die dem wachsenden Handel nicht mehr entsprachen, ausgebaut. Zuerst wurde der nördlich gelegene Freihafen (punto franco) erweitert. 1880 betrug die Umschlagsmenge in den Triester Häfen 1,225 Millionen Tonnen. Bis 1912 stieg diese Menge auf 4,573 Millionen Tonnen. 1883 wurde der 30 Millionen Kronen teure Hafenumbau im Süden der Stadt vollendet. Die Lagerflächen sowie der neue Südbahnhof (stazione meridonale), der heute als einziger Personenbahnhof der Stadt noch besteht, wurden großteils auf aufgeschüttetem Land errichtet. Der wichtigste Bahnhof bis 1918 war jedoch der Staatsbahnhof (stazione della stato). Zwischen ihm und dem Llyodareal erstreckte sich der neue Hafen (porto nuovo), der ab 1898 ausgebaut wurde und bis zum Ende der Monarchie Josephs-Hafen hieß. Um 1900 stand die Stadt in ihrer vollen wirtschaftlichen Blüte und stellte ihren Reichtum durch zahlreiche Prachtbauten zur Schau. In Triest wirkten einige der Architekten die auch in Wien für die prächtigen Ringstraßengebäude im Stil des Historismus verantwortlich zeichneten, wie etwa Heinrich von Ferstel (z.B.Lloydpalast), Wilhelm Flattich (z.B. Südbahnhof), Friedrich Schachner (diverse Palais). Zahlreiche Schriftsteller und Künstler wie James Joyce und Italo Svevo verkehrten in der Stadt. Triest mit seinem kosmopolitischen Bevölkerungsgemenge aus Italienern (75 %), Slawen (18 %), Deutschen (5 %) und anderen Kulturen avancierte zur literarischen Hauptstadt Mitteleuropas. Jeder Triestiner sprach mindestens Italienisch und Deutsch, die slowenische Bevölkerung beherrschte zudem auch die slowenische Sprache. FONTE: Wikipedia.de |
| © 2006 Ferdinandea.at |