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Gefürstete Grafschaft Tirol
Mittelalter 1027 trennte Kaiser Konrad II. zwecks Sicherung der Brennerroute das südlich angrenzende Bistum Trient von Italien ab und schlug es dem deutschen Reichsteil zu. In der Folge fiel auch das Etschtal zwischen Meran bzw. Bozen im Norden und Deutschmetz (Mezzocorona) im Süden an Bayern. Im 12. Jahrhundert entstand im südlichen Teil des Herzogtums die Grafschaft Tirol, ausgehend von Schloss Tirol bei Meran. Die Grafen von Tirol waren zunächst Vögte der Bischöfe von Brixen und Trient, erweiterten aber ihr Land bald auf Kosten der Bischöfe und konkurrierender Adelsfamilien, wie der Eppaner und machten sich von ihnen wie auch vom bayerischen Herzog unabhängig (Absetzung Heinrichs des Löwen 1180). 1228 traten sie die Saalforste an die Wittelsbacher ab; diese Gebiete gehören noch heute dem Freistaat Bayern. 1253 wurden sie von den Grafen von Görz (Meinhardiner) beerbt, nach dem Aussterben ihrer männlichen Linie kam das Land abwechselnd an die Luxemburger und an die Wittelsbacher. 1363 vermachte die Tochter des letzten Meinhardiners, Margarethe von Tirol (Margarethe Maultasch) ihr Land an den Habsburger Rudolf IV.. Zum Zeitpunkt des Übergangs an die Habsburger war die Grafschaft Tirol ein geschlossenes Territorium mit etwa der heutigen Größe. Das Unterinntal unterhalb von Schwaz gehörte allerdings weiterhin zu Bayern, das Zillertal zu Salzburg. Brixen und das Pustertal waren bischöfliche Territorien bzw. Teil der Grafschaft Görz. Dafür war das Montafon tirolisch. Unter den Habsburgern hatte das Gebiet große strategische Bedeutung, da es nicht nur an vielen wichtigen Alpenpässen Anteil hatte, sondern auch eine Landbrücke in ihre alemannischen Besitzungen darstellte. 1406, im Zuge der habsburgischen Erbteilungen wurde es wieder zu einer eigenen Herrschaft, in der die Landstände, zu denen in Tirol auch die Großbauern gehörten, bedeutende Mitspracherechte hatten. Friedrich IV. verlegte seine Residenz nach Innsbruck, das von da an Meran überflügelte. Neuzeit 1500, mit dem Stammland der Görzer, fielen auch Lienz und das Pustertal an Habsburg und wurden mit Tirol vereinigt (strategische Landbrücke von Wien nach Mailand). Nachdem mit dem Verzicht Herzog Siegmunds 1490 das Land wieder an die Hauptlinie zurückgefallen war, wurde Innsbruck sogar Residenz Kaiser Maximilians I.. Mit dem Gewinn der Herrschaften Kufstein, Kitzbühel und Rattenberg von Bayern wurde das Gebiet abgerundet. Die Reformation ging über Tirol sehr oberflächlich hinweg, nur die Bergleute neigten den Lehren der Täufer zu. Im Jahre 1525 geriet Tirol in den Sog der deutschen Bauernkriege. Der Aufstand in Tirol wurde von Michael Gaismair angeführt, wurde allerdings nach zwei Monaten wieder niedergeschlagen. 1564 wurde Tirol mit Vorderösterreich an Ferdinand, dem jüngsten Sohn Ferdinands I. übergeben, der aber aufgrund seiner morganatischen Ehe mit Philippine Welser keine erbberechtigten Nachkommen hatte. Nach seinem Tod herrschten mehrere Statthalter aus habsburgischem Hause, von denen einer, Leopold V. von Habsburg sich erneut zum Landesherren aufschwingen konnte. Diese Nebenlinie starb aber mit seinem jüngeren Sohn Sigismund Franz schon wieder aus. Im späten 16. und in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts kam es zu den letzten Änderungen der Bevölkerungsstruktur bis 1919, die vor allem durch die Gegenreformation verursacht wurden. In dieser Zeit verstärkte sich der italienische Einfluss im Trentino, was zum einen durch die Besetzung der Pfarreien mit italienischen Priestern und zum anderen durch die Zuwanderungen aus der Po-Ebene herbeigeführt wurde. Durch diese Entwicklung entstanden die heute bekannten deutschen Sprachinseln und die noch heute gültige deutsch/italienische Sprachgrenze. In der Region rund um den Reschenpass wurde die rätoromanische Sprache endgültig verdrängt, was vor allem durch die Feindschaft mit den meist protestantischen Rätern im Unterengadin herbeigeführt wurde. Tirol blieb im Gegensatz zu anderen Gebieten des Deutschen Reiches vom 30-jährigen Krieg fast vollständig verschont. Es kam nur in den Gemeinden Leutasch und Seefeld zu größeren Plünderungen. 1703 im Spanischen Erbfolgekrieg stießen die Bayern nach Tirol vor, erlitten aber an der Pontlatzer Brücke (bei Landeck) eine Niederlage und wurden aus dem Land getrieben. 1796/1797 griffen die Franzosen zum ersten Mal Tirol an und besetzten einige Ortschaften. Die Tiroler Landesverteidigung konnte sie wieder vertreiben. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 wurden die Bistümer Brixen und Trient, die ohnehin unter Tiroler Oberhoheit gestanden hatten, offiziell dem Land angegliedert. 1805, nach der Niederlage gegen Napoleon musste das Land an Bayern wieder abgetreten werden. Die Abtretung wurde im Frieden von Pressburg am 26. Dezember 1805 festgelegt. 1809 entlud sich der Widerstand gegen die bayerische Politik unter dem Grafen Maximilian von Montgelas im Tiroler Volksaufstand, der von Andreas Hofer, Josef Speckbacher und Pater Joachim Haspinger angeführt wurde. Der Volksaufstand wurde auch vom konservativen Klerus unterstützt, aber vor allem vom österreichischen Hof in Wien zuerst aufgestachelt, dann aber im Stich gelassen. Die entscheidende Niederlage erlitten die Österreichischen und Tiroler bei Wörgl am 13. Mai. In Folge kamen Teile des Landes vorübergehend an Italien und an die Illyrischen Provinzen Frankreichs; 1814 wurde das Land aber wiedervereinigt und kam zurück an den Habsburger Vielvölkerstaat Österreich. Das seit alters Salzburger Zillertal fiel mit Salzburg 1805 an Österreich und 1810 an Bayern. (Wohl) 1814 kam es (innerhalb Österreichs) an Tirol. Es gab jedoch auch kleinere Erfolge der Tiroler, wie z.B. im "Giggler Tobl", wo die Frauen und Kinder des Paznauns mit Steinlawinen und anderen primitiven Waffen die Bayern aus ihrem Tal hielten. Teilung in Nord- und Südtirol 1919, im Friedensvertrag von St. Germain kam das Gebiet südlich des Brenners an Italien. Italien hatte ungeachtet der viel weiter südlich verlaufenden deutsch-italienischen Sprachgrenze die Wasserscheide zwischen Mittelmeer und Schwarzem Meer als seine Nordgrenze beansprucht und den Alliierten vorgegaukelt, die Sprachgrenze verlaufe am Alpenhauptkamm (siehe Londoner Geheimverträge). Seither ist das Land Tirol geteilt; auch weitere Versuche nach dem Zweiten Weltkrieg, zumindest den deutschsprachigen Gebietsteil wieder an das österreichische Tirol anzugliedern, scheiterten; im Gegenzug konnte 1948 und 1972 (1. und 2. Autonomiestatut) eine – seither noch bedeutend ausgebaute – Autonomie für Südtirol erreicht werden (Gruber-De Gasperi-Abkommen). Heute hat Tirol wieder eine schwache eigene Organisationsform als Europaregion (Euregio) gefunden. Liste der Herrscher von Tirol * Albert I. Mitte 11. Jh. Görz-Tirol * 1253-1258 Meinhard I. Luxemburger * 1335-1341 Johann Heinrich Wittelsbacher * 1341-1361 Ludwig Habsburger * 1363-1365 Rudolf IV. Habsburgische Nebenlinien in Tirol Ältere Tiroler Linie * 1402-1439 Friedrich IV. mit der leeren Tasche Ferdinand II. von Tirol und habsburgische Statthalter * 1564-1595 Ferdinand II. (Tirol) Jüngere Tiroler Linie * 1619-1632 Leopold V. (Habsburg), Statthalter, ab 1626 Landesfürst FONTE: Wikipedia.de |
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