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Großherzogtum Siebenbürgen
Die Türkenkriege und Auseinandersetzungen mit Österreich Als das ungarische Heer in der Schlacht von Mohács 1526 vernichtend geschlagen wurde, setzte sich Johann Zápolya, Fürst von Siebenbürgen, an die Spitze der nationalistischen ungarischen Partei, die gegen die Nachfolge des Habsburgers Ferdinand auf den ungarischen Thron opponierte. Als Johann I. ließ er sich von einer Adelspartei zum König wählen, während kurze Zeit später eine andere Partei Ferdinand auf den Thron erhob. Im darauf folgenden Krieg erhielt er die Unterstützung des Osmanischen Reichs unter Süleyman I. und zementierte dadurch die osmanische Vorherrschaft auf dem ungarischen Gebiet. Nach Zápolyas Tod wurde Zentralungarn von den Osmanen endgültig überrannt. Es kam zur Dreiteilung: Das sogenannte Königliche Ungarn im Westen ging an Österreich, Zentralungarn wurde Teil des Osmanischen Reiches, und Siebenbürgen wurde ein selbständiges Fürstentum unter osmanischer Oberherrschaft. Für beinahe zwei Jahrhunderte sollten hier Österreicher und Türken um ihren Einfluss konkurrieren. In dieser Zeit reichten die Siebenbürgischen Grenzen im Nordwesten über die heutige Landschaft weit hinaus, über Miskolc bis an die Karpaten in der heutigen Slowakei. Die ungarischen Magnaten in Siebenbürgen verlegten sich auf die Strategie, sich je nach Situation an die eine oder andere Großmacht anzulehnen und dabei zu versuchen, die Unabhängigkeit zu bewahren. Die Báthory-Familie, die nach dem Tod Johann Sigismund Zápolyas 1571 an die Macht kam, regierte Siebenbürgen als Fürsten unter osmanischer und kurzzeitig habsburgischer Oberherrschaft bis 1602. Ihre Herrschaft wurde unterbrochen durch den Einfall des rumänischen Fürsten Mihai Viteazul (Vitéz Mihály) aus der Walachei und durch eine österreichische Militärintervention. Nach dem Sieg gegen das Osmanische Reich bei Călugăreni im Jahr 1595 erlangte Mihai 1599 mit seinem Söldnerheer die Kontrolle über Siebenbürgen, nachdem er Andreas Báthorys Armee in der Schlacht von Şelimbăr (Schellenberg) besiegt hatte. Im Mai 1600 besetzte er die Moldau. Eine dauerhafte Vereinigung der drei Landesherrschaften im Karpatenbecken wurde aber nicht realisiert: Mihai wurde am 9. August 1601 durch den habsburgischen General Basta ermordet. 1604 führte Stephan Bocskay mit osmanischer Unterstützung einen Aufstand gegen die österreichische Herrschaft an, und 1606 wurde er auch vom König von Ungarn als Fürst von Siebenbürgen anerkannt. Unter Bocskays Nachfolgern – insbesondere Gabriel Bethlen und Georg I. Rákóczi – erlebte Siebenbürgen ein so genanntes goldenes Zeitalter. Das Fürstentum wurde das Hauptzentrum ungarischer Kultur, ein Bollwerk des Protestantismus innerhalb Osteuropas, und eines der wenigen europäischen Ländern, in denen Katholiken, Calvinisten, Lutheraner und Unitarier in gegenseitiger Toleranz lebten. Allerdings blieb die orthodoxe Konfession der rumänischen Bevölkerung von diesen religiösen Freiheiten ausgeschlossen, da sie offiziell nicht anerkannt, sondern bloß geduldet wurde. Nach dem Sieg gegen die Osmanen vor Wien (1683) versuchte Siebenbürgen vergeblich, sich des wachsenden Einflusses Österreichs zu erwehren. Die Allianz unter der Führung von Franz II. Rákóczi mit dem Osmanischen Reich unter Emmerich Thököly und Frankreich sollte sich als fatal für seine Unabhängigkeit erweisen. 1711 wurde endgültig die österreichische Kontrolle über ganz Ungarn und Siebenbürgen hergestellt, und die siebenbürgischen Fürsten wurden durch österreichische Gouverneure ersetzt. Die Proklamation des Großfürstentums Siebenbürgen 1765 war eine reine Formalität. Der Druck durch die bürokratische österreichische Herrschaft höhlte allmählich die traditionelle Unabhängigkeit Siebenbürgens aus. 1791 baten die Rumänen Leopold II. um die Anerkennung als „vierte Nation“ Siebenbürgens und um religiöse Gleichstellung, aber der siebenbürgische Landtag versagte ihnen ihre Forderungen. 18. Jahrhundert Ab 1733 wurde die Volksgruppe der sog. Siebenbürger Landler in Siebenbürgen angesiedelt. Sie wurden unter Karl VI. und Maria Theresia aus religiösen Gründen nach Siebenbürgen zwangsdeportiert und stammten aus dem landesfürstlichen Salzkammergut, dem Land ob der Enns (dem 'Landl'), der Steiermark und Kärnten. Unter der beschönigenden Bezeichnung „Transmigration“ wurden sie in mehreren Transporten zwischen 1734 und 1776 über die Donau nach Siebenbürgen verschleppt. Als überzeugte Protestanten (Kryptoprotestanten), hatten sie im katholischen Österreich einen schweren Stand. Sie waren nicht erwünscht und wurden in die östlichsten Teil des Kaiserreiches verbannt. In dem durch die Türkenkriege verheerten Unterwald und der Hermannstädter Gegend durften sich die „Exulanten“ in den drei Dörfern Neppendorf, Großau und Großpold, inmitten der schon seit Jahrhunderten hier lebenden Siebenbürger Sachsen, niederlassen. In Siebenbürgen fanden sie Glaubensfreiheit, die ihnen in ihrer alten Heimat verwehrt worden war. 19. und 20. Jahrhundert 1848 verkündeten die Magyaren die Vereinigung Siebenbürgens mit Ungarn und versprachen den Rumänen die Abschaffung der Leibeigenschaft im Gegenzug für ihre Unterstützung gegen Österreich. Rumänen und Sachsen lehnten das Angebot ab und erhoben sich stattdessen gegen den ungarischen Nationalstaat mit seiner damals bekannten Magyarisierungspolitik (siehe hierzu auch Siebenbürgische Schule). In den folgenden Auseinandersetzungen (1849) zwischen ungarischen und österreichisch-russischen Kräften (unterstützt von Rumänen und Sachsen) wurde das ungarische Regime von Lajos Kossuth niedergeschlagen. Die folgende Periode österreichischer Militärverwaltung (1849–1860) war verheerend für den magyarischen Adel, kam aber den rumänischen Bauern zugute, denen Land gegeben wurde und die auf andere Weise von den österreichischen Behörden begünstigt wurden. Im Ausgleich von 1867, mit dem die österreichisch-ungarische Doppelmonarchie entstand, wurde Siebenbürgen jedoch wieder mit Ungarn vereint (siehe Transleithanien). Erst mit diesem Akt wurde die Selbstverwaltung der Siebenbürger Sachsen abgeschafft. Der neu errichtete ungarische Staat betrieb eine Assimilierungspolitik gegenüber den Minderheiten, welche jedoch schlussendlich in Siebenbürgen kaum Erfolg hatte. Die ethnischen Ungarn wurden in den Behördenpositionen bevorzugt und Ungarisch war Amtssprache, dennoch konnten sich die Siebenbürger Sachsen unter Führung der Evangelischen Landeskirche dem ungarischen Einfluss weitestgehend entziehen und ihr eigenes Bildungssystem weiterentwickeln und schützen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Siebenbürgen (zusammen mit Partium) 1918 Rumänien angeschlossen. Am 1. Dezember 1918 versammelten sich etwa 100.000 Rumänen in Karlsburg und proklamierten die Vereinigung aller Rumänen aus Siebenbürgen, dem Banat, Crişana and Maramureş mit Rumänien (Karlsburger Beschlüsse). Auch die Mediaser deutsche Sachsenversammlung begrüßte 1919 die Karlsburger Beschlüsse und den Anschluss an Rumänien. Die Übertragung Siebenbürgens von Ungarn nach Rumänien wurde 1920 im Frieden von Trianon festgeschrieben. Nachdem sich die neue rumänische Macht gefestigt hatte, konnten König Ferdinand I. und Königin Maria von Rumänien 1922 in Alba Iulia die Krone des nunmehr massiv vergrößerten Rumänien empfangen. Die rumänische Verwaltung agierte überall im Lande nach der gleichen Logik eines zentral geleiteten Nationalstaates wie zuvor der ungarische Staat. Dies aber konnte das auf Partikularismus basierte Selbstverständnis der transylvanischen Rumänen, Magyaren und Deutschen nur stören. Dazu kam auch, dass der rumänische Staat ökonomischen Maßnahmen einleitete, wie die Agrarreform 1921, von denen die wirtschaftlich besser gestellten Minderheiten Transylvaniens gravierend betroffen wurden. Insbesondere die ungarische und deutsche Minderheiten Siebenbürgens, die eine jahrhundertelange politische, wirtschaftliche, religiöse und kulturelle Dominanz ausübten, sahen sich jetzt mit dem Verlust ihrer historischen Machtstellung zugunsten der rumänischen Mehrheit konfrontiert. Das wurde von vielen Angehörigen dieser Minderheiten, aber auch von den dort lebenden Slowaken, Juden und Armeniern als Marginalisierung, Unrecht und Assimilierungsversuche wahrgenommen. Während des Zweiten Weltkrieges wurde 1940 ein sichelförmiger Abschnitt längs der Nord- und Nordostgrenze Siebenbürgens, in dem die Ungarn keine Bevölkerungsmehrheit bildeten (36 % Ungarn und 50 % Rumänen, laut der amtlichen Volkszählung von 1930), an Ungarn übertragen (2. Wiener Schiedsspruch). Nach dem Ende des Kriegs kam das Territorium wieder an Rumänien. Die im Vertrag von Paris 1947 festgelegten Grenzen waren identisch mit denen von 1920. FONTE: Wikipedia.de |
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