Markgrafschaft Oberlausitz

Niederschlesien

Die Zeit der Habsburgerherrschaft (1526-1635)

Nach dem Tod des böhmischen und ungarischen Königs Ludwig II. in der Schlacht von Mohács wählten die böhmischen Stände Ferdinand I. zum König, der damit auch Landesherr der Oberlausitz wurde. Allerdings hatten die Stände ihn schon vorher als ihren Erbherren anerkannt, weil er der Schwager Ludwigs II. war. Zum Landvogt setzte der neue König Zdislav Berka von Dubá ein, der am Prager Hof auch das Amt des Landhofmeisters verwaltete. Zunächst änderten sich die inneren Verhältnisse der Oberlausitz unter neuen Herrschaft nur geringfügig. Nach wie vor bestimmte der Streit zwischen dem Landadel und den Sechs Städten das politische Leben. Die Auseinandersetzungen wurden dabei mit allen Mitteln der Diplomatie geführt. Beide Seiten versuchten den König auf ihre Seite zu ziehen. Ferdinand fällte jedoch widersprüchliche Entscheidungen. So kamen auf Vermittlung der königlichen Beamten 1530 und 1534 in Prag zwei Verträge zustande. Einmal wurden die Städte begünstigt und einmal der Adel. Auf diese Weise konnte kein dauerhafter Ausgleich gefunden werden.

Ferdinands inkonsequente Oberlausitz-Politik war der schwierigen Gesamtsituation geschuldet, in der sich der österreichische Habsburger befand. Einerseits hatte er Konflikte mit den mächtigen utraquistischen Ständen in Böhmen zu bestehen, andererseits brauchte er die Hilfe der Stände aller seiner Länder, um den Türkenkrieg finanzieren zu können. So stiegen auch die königlichen Steuerforderungen stetig, die Ferdinands Kommissare nun beinahe jährlich auf den Oberlausitzer Landtagen vorbrachten. Der König konnte es sich deshalb nicht leisten, die Stände dauerhaft zu verärgern. An einen Ausbau der landesherrlichen Gewalt war unter diesen Umständen nicht zu denken. Auch gegen den immer weiter um sich greifenden Protestantismus konnte der katholische König nicht aktiv eingreifen.
1537 besuchte Ferdinand I. das einzige Mal in seiner langen Regierung die Oberlausitz. Er hielt sich kurz in Bautzen und Görlitz auf und nahm auf der Ortenburg die Landeshuldigung entgegen. Bei dieser Gelegenheit bekamen Land und Städte ihre alten Privilegien bestätigt, so dass die wenige Jahre zuvor ausgehandelten Prager Verträge obsolet wurden.

1546 wurde die Oberlausitz in den Schmalkaldischen Krieg hineingezogen, an dem König Ferdinand auf Seiten seines Bruders Karl V. teilnahm. Während die utraquistischen Stände Böhmens dem König offen den Gehorsam verweigerten und nicht gegen die Protestanten des Schmalkaldischen Bundes ins Feld zogen, verhielten sich Land und Städte der Oberlausitz abwartend. Die mehrheitlich evangelischen Stände sahen sich dann 1547 aber doch genötigt, Ferdinand Geld und Truppen zur Verfügung zu stellen, obwohl der Wittenberger Theologe Johannes Bugenhagen alle Protestanten der böhmischen Länder in seiner "Christlichen Vermahnung" eindringlich aufgefordert hatte, nicht gegen ihre Glaubensgenossen zu kämpfen.

Durch einen Zufall zogen sich die Oberlausitzer Sechs Städte den Zorn König Ferdinands zu. Sie hatten ihre Truppen nur für zwei Monate bewilligt und diese zogen als die Zeit um war aus dem Heerlager an der Elbe ab. Das war nun gerade am Vorabend der Entscheidungsschlacht bei Mühlberg. Der Befehl die Söldner weiter bereitzuhalten hatte die Städte nicht rechtzeitig erreicht.

Als der Krieg gegen die Fürsten des Schmalkaldischen Bundes gewonnen war, lud Ferdinand I. die Vertreter der Sechs Städte nach Prag vor, wo sie sich vor ihm zu verantworten hatten. In einer Art Schauprozess wurden die Städte verurteilt und verloren all ihre Privilegien sowie ihren gesamten Landbesitz. Überdies mussten sie die enorme Summe von 100.000 Gulden Strafe an den König zahlen. Dieses Ereignis ging als der Oberlausitzer Pönfall in die Geschichte ein. Die große Macht der Städte war gebrochen, von nun an hatten sie kein Übergewicht über den Landstand mehr. Die folgenden Jahre waren von den Anstrengungen der Städte gekennzeichnet, alte Positionen zurückzugewinnen. So wurden zahlreiche Landgüter, die man im Pönfall an den König abgetreten hatte, zurückgekauft und zahlreiche alte Privilegien bei der Prager Hofkanzlei erneut erworben. Seit 1560 konnten alle sechs Städte ihre Räte und Richter wieder selbst einsetzen. Im selben Jahr einigten sich die Stände mit dem König auf die so genannte Abhandlung. In diesem Dokument wurden die umfangreichen Rechte der Stände festgeschrieben und von Ferdinand I. offiziell anerkannt.

Im Jahr 1562 erteilte Ferdinand I. den Ständen die so genannte Obergerichtsgnade. Seitdem hatte der gesamte Adel und auch wieder die Städte die vollständige Gerichtsgewalt über ihre Untertanen. Damit kamen die von Ferdinand vorgenommenen Änderungen an der Oberlausitzer Landesverfassung zum Abschluss. Der um die Mitte des 16. Jahrhunderts geschaffene Zustand blieb im Großen und Ganzen unverändert bis 1815 in Kraft und bestimmte das Verhältnis der Stände untereinander und auch zu ihrem Landesherren. Bereits 1544 hatte der Kaiser in der nach ihm benannten Decisio Ferdinandea dem Adel das Privileg des Vorritts zugestanden und die Rechte der großen Oberlausitzer Herrschaften Muskau, Seidenberg und Hoyerswerda definiert. 1548 wurde das neu geschaffene Prager Appellationsgericht als letzte Berufungsinstanz für die Oberlausitzer Gerichtsbarkeit festgeschrieben und ein Jahr später wurde mit der Landeshauptmannschaft ein wichtiges neues Amt geschaffen. Der Landeshauptmann sollte die königlichen Rechte - vor allem in Bezug auf die Steuern und Abgaben - durchsetzen. Er wurde immer aus dem einheimischen Adel berufen und unterstand der Böhmischen Kammer in Prag.

1549 wurde mit Christoph von Dohna zum ersten Mal ein einheimischer protestantischer Adliger zum Landvogt berufen. Der Besitzer der Herrschaft Königsbrück machte sich aber in kurzer Zeit beim Adel und den Städten unbeliebt, weil er korrupt war und die Gerichte nicht ordnungsgemäß verwaltete. Die Stände verklagten Dohna deshalb beim König in Prag (die Klageschrift umfasste über 100 Punkte), aber noch vor dem Ende des Prozesses starb der Landvogt (1560) und bis zum Dreißigjährigen Krieg wurden nach alter Tradition nur noch böhmische oder schlesische Adlige zu Landvögten in Bautzen berufen.

Seit den fünfziger Jahren kam es zu einer Stabilisierung der im Lande übrig gebliebenen katholischen Institutionen. Dies war im wesentlichen der Politik des 1559 ins Amt gekommenen Bautzener Domdekans, Johann Leisentrit zu verdanken. Kaiser Ferdinand hatte ihn zum Kommissar für Religionssachen in den beiden Lausitzen ernannt. Leisentrit war damit nominell die kirchliche Obrigkeit für Katholiken und Protestanten. Er nutzte diese Stellung, um die noch vorhandenen katholischen Pfarreien für seine Konfession zu erhalten, verhielt sich aber sonst den Evangelischen gegenüber tolerant. Als Kaiser Maximilian II. 1564 auch in der Oberlausitz die Nachfolge seines Vaters antrat, gestattete er den Ständen erstmals offiziell die Confessio Augustana. Diese Zusicherung wurde auch von seinen Nachfolgern bei den Landeshuldigungen immer wieder neu gegeben.

Bildung und Kultur nahmen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts einen Aufschwung. In den Städten Görlitz, Zittau und Bautzen wurden Gymnasien gegründet, die nicht nur von Bürgersöhnen sondern auch von den Söhnen des Oberlausitzer und zunehmend auch des böhmischen und niederschlesischen Adels besucht wurden. Auch in den anderen Städten Löbau, Kamenz, Lauban und selbst in kleineren Landstädten wurden die Schulen ausgebaut. Bautzen wiederum erhielt als Druckort zumindest regionale Bedeutung. Der Görlitzer Bürgermeister Bartholomäus Scultetus erstellte Ende des 16. Jahrhunderts die erste Landkarte der Oberlausitz.

Ende des 16. Jahrhunderts verschärften sich in Europa und nicht zuletzt auch in Böhmen die konfessionellen Konflikte. In den Ländern der böhmischen Krone war dies einmal den Fortschritten der Gegenreformation geschuldet, die der päpstliche Nuntius in Prag, der dortige Erzbischof und der Bischof von Olmütz, besonders aber die Jesuiten langsam erzielten. Der andere Grund bestand im Erstarken des nicht in den Augsburger Religionsfrieden einbezogenen Calvinismus. In den böhmischen und österreichischen Ländern war der religiöse Konflikt zusätzlich von der Auseinandersetzung um die Macht im Staat überlagert. Sollte diese vornehmlich bei den mehrheitlich protestantischen Ständen oder aber ganz in der Hand des Kaisers liegen? Obwohl in der Oberlausitz die Stände das politische Übergewicht hatten und die Religionsfrage im Großen und Ganzen geklärt schien, wurde auch das kleine Markgraftum von den politischen Unruhen im benachbarten Böhmen angesteckt. Die protestantische Mehrheit war besorgt, dass die Gegenreformation auch auf die Oberlausitz übergreifen könnte und die katholischen Domherren in Bautzen waren längst nicht mehr so kompromissbereit und entgegenkommend wie zur Ära Leisentrit.

Anfang des 17. Jahrhunderts verschlechterten sich die Beziehungen der Stände zum damaligen Landesherren Rudolf II.. Man war unzufrieden wegen der stetig steigenden Steuerforderungen wegen der Türkenkriege, denn der Kaiser konnte dabei keine greifbaren Erfolge erzielen. Schon die Schaffung des Amts eines Kammerprokuratoren (dieser sollte die finanziellen Ansprüche des Landesherrn besser durchsetzen) im Jahr 1595 hatte das Missfallen der Stände erregt. Gemeinsam mit den Schlesiern beschwerte man sich außerdem über die Böhmische Hofkanzlei und verlangte die Einrichtung einer eigenen Kanzlei für die deutschsprachigen Nebenländer der Krone Böhmen.

Nachdem die Protestanten Schlesiens und Böhmens dem durch den habsburgischen Bruderzwist geschwächten Kaiser 1609 Majestätsbriefe abgetrotzt hatten und damit landesrechtlich anerkannt waren, wollten auch die Oberlausitzer solch eine Urkunde erlangen. Ihre Bemühungen blieben aber erfolglos. Auch Kaiser Matthias, der Rudolf II. 1611 auf dem böhmischen Thron nachfolgte, verweigerte den protestantischen Oberlausitzern den Majestätsbrief. Dies war einer der wichtigsten Gründe, dass sich die Oberlausitz 1618/19 nach dem Prager Fenstersturz dem böhmischen Ständeaufstand anschloss.

Als die Unruhen in Böhmen begannen, verhielten sich die Oberlausitzer Stände zunächst passiv. Sie ignorierten die dringenden Aufforderungen der Böhmen, sie im Krieg gegen die Habsburger zu unterstützen. Erst nach dem Tod Kaiser Matthias im März 1619 änderten sie ihre Politik. Sie traten der Böhmischen Konföderation bei und waren an der Absetzung Ferdinands II. und der Wahl Friedrich V. von der Pfalz zum König von Böhmen beteiligt. Ziel der protestantischen Stände des Markgraftums war es, die Oberlausitz zu einem vollständig protestantischen Land zu machen. Sie wollten das katholische Bautzener Domstift beseitigen, in den wenigen noch katholischen Orten protestantische Pfarrer einführen und endlich eine eigene Landeskirche gründen. Das militärische Risiko und die damit verbundenen Kosten für die Aufstellung von Truppen für den durch die katholische Liga bedrängten Winterkönig trugen sie allerdings nur ungern und als der Krieg auf die Oberlausitz übergriff, waren sie nicht in der Lage, wirksamen Widerstand zu leisten. Ohne größere Kampfhandlungen konnte der mit Ferdinand II. verbündete Kurfürst Johann Georg von Sachsen zwischen September 1619 und Januar 1620 die Oberlausitz besetzten.

Für seine militärische Hilfe gegen die aufständischen böhmischen Länder war dem sächsischen Kurfürsten vom Kaiser finanzielle Entschädigung zugesagt worden. Wenn nicht bezahlt wurde, sollten die Lausitzen als Pfand an den Wettiner übergeben werden. Ferdinand II. konnte nicht zahlen und musste 1623 die Pfandschaft über beide Markgraftümer einräumen. Die Übergabe wurde im so genannten Immissionrezess geregelt. Dadurch entging die Oberlausitz der kaiserlichen Gegenreformation, die in den zwanziger Jahren des 17. Jahrhunderts in Böhmen und Mähren zum Verbot der protestantischen Bekenntnisse und Kirchen führte. In der Folgezeit kamen viele Glaubensflüchtlinge aus Böhmen in die Oberlausitz. Sie siedelten sich vor allem in Zittau und den benachbarten Weberdörfern im Lausitzer Bergland an und sorgten dort durch ihren Gewerbefleiß für einen wirtschaftlichen Aufschwung.

Die Landesherren der Oberlausitz 1526-1635

Kaiser Ferdinand I. 1526-1564
Kaiser Maximilian II. 1564-1576
Kaiser Rudolf II. 1576-1611
Kaiser Matthias 1611-1619
König Friedrich I. 1619-1620/1621
Kaiser Ferdinand II. 1620/21-1635

Die Oberlausitz bis zur Teilung 1815

In der Schlacht bei Bautzen am 20./21. Mai 1813 konnte Napoleon seinen letzten größeren Sieg erringen.

Sächsische und preußische Oberlausitz (1815-1945)

Auf dem Wiener Kongress (1815) musste das Königreich Sachsen große Gebietsverluste zu Gunsten Preußens hinnehmen. Unter anderem musste auch die Hälfte der Oberlausitz mit Görlitz abgetreten werden. Die Oberlausitzer Stände hatten bis zu letzt versucht, die Teilung des Landes zu verhindern. Unter anderem hatten sie sich mit einer Bittschrift an den österreichischen Kanzler Metternich gewandt. Jedoch blieb diese Initiative ohne Erfolg. Die neue Grenze durchschnitt das Land von Nordwesten nach Südosten. Sie verlief südlich von Ruhland und Wittichenau in Richtung Reichenbach (Oberlausitz), traf südlich von Görlitz auf die Neiße und verlief entlang der Wittig bis zur böhmischen Grenze. (Alle hier genannten Orte fielen an Preußen.) Die willkürlich gezogene Grenze zerschnitt eine in 800 Jahren gewachsene politische, wirtschaftliche, kulturelle und kirchliche Einheit: Von den Sechs Städten gehörten nunmehr zwei (Görlitz und Lauban) zum preußischen Staat. Die Wirksamkeit der alten Oberlausitzer Ständeversammlung blieb auf das sächsische Restgebiet beschränkt. Das Siedlungsgebiet der Obersorben war nun auf zwei Staaten aufgeteilt. Die kirchliche Autonomie der Protestanten fand in der Oberlausitz ihr Ende und sie wurden in die Kirche der preußischen Union, Kirchenprovinz Schlesien eingegliedert. Die wenigen Katholiken der Lausitzer Administratur wurden ebenfalls geteilt. Die Dörfer der beiden Klöster Marienstern und Marienthal lagen nun beiderseits der Grenze. Die katholischen Pfarreien der preußischen Oberlausitz wurden schließlich 1821 dem Fürstbistum Breslau unterstellt. Die preußische Regierung begann nach 1815 in ihrem Teil der Oberlausitz sofort mit der dringend notwendigen Modernisierung der Verwaltung. Nach einigen Experimenten wurden in den zwanziger Jahren vier Landkreise gebildet, die alle in die Provinz Schlesien integriert wurden. Erst seit diesem verhältnismäßig späten Zeitpunkt dehnte sich das schlesische Gebiet über den Queis nach Westen aus. Vorher hatte die Oberlausitz nie zu Schlesien gehört, wenngleich beide Länder vom 13. - 17. Jahrhundert zumeist von einem gemeinsamen Landesherren, dem böhmischen König, regiert worden waren.

Vor allem im südlichen Teil der sächsischen Oberlausitz, aber auch im preußischen Teil der Oberlausitz (auch Schlesische Oberlausitz genannt) konnte man nach 1815 erfolgreich an alte Traditionen vor allem bei der Herstellung von Textilien aber auch in vielen anderen Gewerben anknüpfen. Die Region gehörte zu den frühen Industriegebieten Deutschlands. Bereits seit 1836 fanden sich Geschäftsleute aus Sachsen und Preußen zusammen, um die Eisenbahnstrecke Dresden - Breslau quer durch die Oberlausitz zu planen und zu bauen. Baubeginn war 1844, zwei Jahre später war der Oberlausitzer Anteil der Strecke bis Löbau fertig gestellt und im September 1847 verkehrten die Züge durchgehend von Dresden nach Breslau.

Durch die sächsische Verfassung von 1831 wurde die rechtliche Sonderstellung der Oberlausitz beseitigt. Das traditionelle ständische Herrschaftssystem wurde in den folgenden Jahren schrittweise durch die Institutionen des modernen Staats ersetzt. Für das Gebiet der sächsischen Oberlausitz wurde die Kreishauptmannschaft Bautzen gebildet. Bis in die fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts dauerte die Ablösung der bäuerlichen Bevölkerung aus der Erbuntertänigkeit.

In der preußischen Oberlausitz profitierte vor allem Görlitz von der Integration in den größten deutschen Teilstaat. Eine breite Palette von Industriebetrieben siedelte sich an. Zu den größten Absatzmärkten Berlin und Breslau bestanden gute Bahnverbindungen.

Seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 waren die Sorben ständig steigender Repressionen ausgesetzt. Als Instrument der Unterdrückung konnten die neuen Machthaber auf die schon länger bei der Amtshauptmannschaft Bautzen bestehende Wendenabteilung zurückgreifen. Bis 1937 wurden nach und nach all ihre Vereine und die gesamte sorbische Presse verboten. Auch der Unterricht in der Muttersprache und ebenso sorbischsprachiger Religionsunterricht waren nicht mehr gestattet. 1940 wurden alle sorbischen katholischen Priester aus der Oberlausitz ausgewiesen. Die Nazis mit ihrer menschenverachtenden Rassenpolitik verfolgten gegenüber den Sorben keine einheitliche Linie. Neben Demütigung und Unterdrückung stand bis in den Zweiten Weltkrieg hinein der Versuch, die Wenden in die "germanische Herrenrasse" zu integrieren. Deshalb wurden sie als wendische Deutsche bezeichnet, um sie von den anderen Slawen zu separieren. Die totale physische Vernichtung der Sorben analog zu den Juden ist nie geplant worden. Allerdings gab es Überlegungen, das kleine slawische Volk zur Gänze auf den besetzten Balkan zu deportieren.

Während des Zweiten Weltkriegs blieb die Oberlausitz von Luftangriffen weitgehend verschont. 1945 wurde sie allerdings Kampfgebiet. Zunächst betraf das die Stadt Lauban, die im Februar bereits von der Roten Armee eingenommen worden war, von den Deutschen aber noch einmal zurückerobert wurde. Deshalb inszenierte der Reichspropagandaminister Joseph Goebbels in Lauban seinen letzten Wochenschauauftritt mit den üblichen Durchhalteparolen. Im April 1945 fanden die letzten Kampfhandlungen in der Nähe von Bautzen und Kamenz statt. Sie standen im Zusammenhang mit Aktionen der Roten Armee, die einerseits auf die Einnahme Berlins andererseits auf die Besetzung Dresdens und den Vorstoß nach Böhmen abzielten. Hoyerswerda wurde durch einen Irrtum, es handele sich um das Alu-Werk Lauta, durch die britische Luftwaffe bombardiert. Während es in Bautzen noch zu kriegsbedingten Zerstörungen kam, konnten diese in Kamenz verhindert werden, denn einige Bürger setzten sich über die Befehle der Nazibehörden hinweg und übergaben die Stadt ohne Widerstand an die Russen. Anders als viele Deutsche empfanden die Sorben die Ankunft der Roten Armee durchweg als Befreiung, denn nun war ihre ethnische Diskriminierung und die Gefahr der Deportation vorbei.

FONTE: Wikipedia.de

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