Erzherzogtum Österreich unter der Enns

Österreich unter der Enns

Niederösterreich ist das Kernland Österreichs. Es hat daher kaum eine eigene historische Tradition, die von der österreichischen Geschichte abweicht.

Zu Beginn der Neuzeit, Niederösterreich befand sich weiterhin unter der Herrschaft des Hauses Habsburg, waren zwei Ereignisse für die weitere Entwicklung des Landes maßgebend: Die mit Beginn des 16. Jahrhunderts aufkommende Reformationsbewegung – der Protestantismus fand gerade in Niederösterreich besonders breite Resonanz – sowie die Bedrohung durch die Osmanen.

Die Gegenreformation setzte in dem protestantisch gewordenen Land erst ab den 1570er Jahren ein, dann aber mit aller Vehemenz. Protagonisten waren vor allem die Jesuiten, die Schulen und Universitäten übernahmen. Eine wichtige Figur der Rekatholisierung ist auch Kardinal Melchior Khlesl, der Sekretär des späteren Kaisers Matthias. Zur Wahrung ihrer politischen und religiösen Freiheiten schlossen die protestantischen Stände 1619 ein Bündnis mit den Ständen des Königreichs Böhmen (Beitritt zur Confoederatio Bohemica), das gegen den habsburgischen Landesherren Kaiser Ferdinand II. gerichtet war. Nur die katholische Minderheit blieb dem Kaiser treu. Die militärische Niederlage der Protestanten in der Schlacht am Weißen Berg machte auch in Niederösterreich den Weg für die gewaltsam erzwungene Gegenreformation frei. Die untertänige Bevölkerung musste in den zwanziger Jahren des 17. Jahrhunderts ausnahmslos wieder zum katholischen Glauben wechseln. Verschont blieben nur wenige protestantische Adlige, die sich nicht am Aufstand gegen den Kaiser beteiligt hatten. Die übrigen evangelischen Herren und Ritter mussten, wenn sie nicht konvertierten, das Land verlassen. Ihr Besitz wurde an katholische Parteigänger des Kaisers vergeben. Der Klerus gewann durch die Gegenreformation wieder an Bedeutung, wichtige Klöster waren das Stift Melk, Klosterneuburg und das Stift Göttweig.

Vom Dreißigjährigen Krieg war Niederösterreich in den Jahren 1645/46 betroffen: Während des schwedisch-französischen Kriegs, der von 1635 bis 1648 andauerte, drangen schwedische Truppen durch das nördliche Niederösterreich bis nach Wien vor und richteten dabei im Land verheerende Schäden an.

Nach der Schlacht bei Mohács 1526 und dem darauf folgenden Zusammenbruch des ungarischen Königreiches wurde Niederösterreich zum Grenzgebiet des Heiligen Römischen Reichs und blieb es bis 1683, als die Osmanen nach der erfolglosen zweiten Belagerung Wiens zurückgedrängt wurden. Da die Bevölkerung durch die mehr als 300.000 Mann umfassende türkische Armee fast völlig ausgerottet war – Wien hatte zu dieser Zeit etwa 20.000 Einwohner –, kam es zur Neubesiedlung weiter Teile Niederösterreichs durch Köhler, Holzknechte und Bauern aus der Steiermark, dem Salzkammergut, Oberösterreich, Tirol, Bayern und Schwaben, z. B. in St. Corona, Klausen-Leopoldsdorf, Hochstrass und Pressbaum.

In dieser Zeit wurden die Herrschaftssitze des Landadels im Barockstil neu errichtet oder ausgebaut; so z.B. das Schloss Artstetten, das um 1710 stark erweitert wurde, oder Schloss Hof, das Prinz Eugen 1726 aufgekauft und vergrößert hatte.

Auch nach dem Wegfall der Bedrohung durch die Osmanen blieb Niederösterreich von Schlachten und Kriegen nicht verschont. Neben den Verheerungen durch die Kuruzzen zu Beginn des 18. Jahrhunderts und den späteren Einfällen der Preußen – zuletzt 1866 – waren vor allem die Napoleonischen Kriege von 1805 und 1809 für Niederösterreich von Bedeutung. Im Vor- und Umfeld der niederösterreichischen Schlacht von Aspern und Schlacht bei Wagram kam es zu Plünderungen und Vergewaltigungen der nach wie vor vorwiegend bäuerlichen Bevölkerung.

Im Zuge der Industriellen Revolution in der Gründerzeit ab etwa 1850 wurde das Eisenbahnnetz mit dem Zentrum in Wien errichtet. Die Semmeringbahn erschloss das Bergbaugebiet in der östlichen Steiermark, Ostbahn und Westbahn verband dieses mit den entstehenden Industrien in Böhmen, Ober- und Niederösterreich und dem agrarwirtschaftlich geprägten Ungarn. Das Land profitierte von der Nähe zur k.k. Reichshaupt- und Residenzstadt Kaiser Franz Josephs I. und wurde dadurch zum Kristallisationspunkt des geistigen und künstlerischen Potentials Mitteleuropas. Das Fin de siècle prägte das Land architektonisch und kulturell. Noch heute lebt diese Atmosphäre z. B durch die Tragödie des Thronfolgers Kronprinz Rudolfs in Mayerling, die Jugendstilbauten in Neuhaus oder die Biedermeierbauten in Baden fort.

FONTE: Wikipedia.de

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