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Pro Monarchie | ||||||||||||||
Monarchie im dritten Jahrtausend - Vortrag von lic. phil. René Häusler Herr Erster Vorsitzender, meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freunde von Tradition und Leben! Muss man einer solchen Welt - an der Schwelle zum dritten Jahrtausend - (auch thematisch) erst abhanden kommen, um sie überhaupt noch zu ertragen? - Mitnichten! Denn, zum einen war dieser Planet seit Menschengedenken noch nie ein Ort paradiesischer Ruhe und Eintracht, und zum anderen mag man die erwähnten Zeiterscheinungen durchaus auch als eine Art Symptome verstehen; Symptome einer zwar technologisch Triumphe feiernden, sozio-psychologisch jedoch eigentlich kranken, weil zutiefst wertverunsicherten, zutiefst rat- und orientierungslosen, - ja zutiefst erbarmungslosen Welt. Sie tun es nicht, wie wir heut' wissen und schmerzlich fühlen müssen. Denn - da wir den Glauben durch den Zweifel kalt verstiessen, woraus ersteht uns neuer Halt? Da noch von fern die Totenglocken des letzten Wahns hinüberklingen - Marxismus war sein Name - worin vermuten wir nun Heil? Und da Vernunft und Logik sich letztlich im Methodischen erschöpfen, woher erhoffen wir uns Sinn? Sicher - Logik mag bestechen, aber sie berührt nicht. Indem wir mit ihrer Hilfe das Göttliche aus der Schöpfung verjagten, verloren wir vor dieser den Respekt. Und damit eröffneten wir der Zerstörung Tor und Tür. Nicht nur die Umwelt zahlt als Opfer, sondern auch der Mitmensch, dem wir vielerorts kaum eine Grausamkeit ersparen. Was sollten wir auch fürchten? - Dies sollten wir nicht fürchten?! Woher erhellt uns also Licht den Weg aus diesem Labyrinth der Unsicherheit/Angst, emotionalen Armut, Verrohung, der sozialen Zerrissenheit, Intoleranz und Gewalt, in dem sich vor allem unsere abendländische Welt auswegslos verirrt zu haben scheint? Leere herrscht und Mangel an inhaltlicher Vision. Nie waren überzeugende Visionen so nötig wie heute und nie waren sie auch so selten. Menschen, die, völlig auf sich selbst bezogen, nur noch in einer künstlichen Realität existieren, werden unfähig sein, mit ihren Mitmenschen zu kommunizieren, auf ihre Bedürfnisse einzugehen, sich mit ihnen zu arrangieren. Ihnen fehlt die Sozialisierung und das wäre letztlich das Ende aller Gemeinwesen. Woher also kommt Orientierungshilfe in einer Zeit, welcher der Zauber fehlt und die sich der hilfreichen Kraft des Mythos so hochmütig verschliesst? Lässt sich kein Faden der Ariadne finden? Vielleicht doch, wenn wir an der richtigen Stelle suchen! Mit Sicherheit! Denn glauben Sie mir, nicht nur das "Reich Gottes", wie Tolstoi einst so bewegend erkannte, auch die Antwort auf unsere Fragen - der Faden der Ariadne - liegt in uns selbst. Und nur in uns. Und da der Mensch bekanntlich nicht vom Brot alleine lebt, muss eine ihm gemässe Vision somit aus drei Quellen schöpfen - aus der Psychologie, die sagt, was wir bedürfen, aus der Religion, die sagt, wie wir sein sollen und aus der Geschichte, die weiss, wie wir sind. * * * Alle drei genannten Grössen sind, und wir ahnen es alle, einer Staatsform inhärent, von der wir heute abend sprechen wollen, nämlich der demokratischen Monarchie. 1200 Jahre nach der Krönung Karls des Grossen zum Römischen Kaiser und 2000 Jahre nach Christi Geburt wollen wir nicht nur herausfinden, ob allenfalls sie uns aus dem einleitend dargestellten Labyrinth befreien könnte, sondern auch ausloten, wo ihre Risiken und Chancen hierfür liegen. * * * Chancen und Risiken der Monarchie auch im dritten Jahrtausend entspringen oder liegen in 2 Grundfaktoren: 1) dem Monarchen oder Thronanwärter selber rsp. in seinem Charakter und seinen Fähigkeiten 2) in den verfassungsrechtlichen, politischen, sozialen und wirtschaftlichen Gegebenheiten jenes Landes, in dem der Monarch regiert rsp. in welchem der Thronanwärter einen einstmals verlorenen Thron wieder zurückerlangen möchte,sowie im allgemeinen weltpolitschen Zustand. Dies sind übrigens zwei ganz verschiedene Szenarien. Um einen Thron zurückzuerlangen braucht es eine andere Persönlichkeit und ein anderes Umfeld als nur auf einen bereits bestehenden und verfassungsmässig gesichertenThron nachzufolgen; bzw. König zu werden in einer Nochnicht- oder Nichtmehr- Monarchie ist schwieriger und etwas anderes als König zu werden rsp. zu sein in einer bestehenden Monarchie. * * * 1) Beginnen wir mit den Chancen der Monarchie, die sich aus dem Charakter des Königs für die Staatsform ergeben und dies muss heissen, dass es dem König gelingt, die Mehrheit der Staatsbürger als Anhänger der Monarchie zu bewahren und weitere als Anhänger zu gewinnen. D.h. es muss ihm gelingen, die monarchische Staatsform als so natürlich und passend für sein Land erscheinen zu lassen, dass ein Infragestellen der Staatsform geradezu als absurd empfunden würde. Erlauben Sie mir hierzu folgende Bemerkungen: Eine der wichtigsten Anforderungen an den modernen König oder Thronanwärter wird sein, dass seine Persönlichkeit befähigt ist, neben den verfassungsmässigen Pflichten auch jene Rollenanforderungen perfekt zu erfüllen, die ich in meinem Buch "Herrscher der Herzen?" aufgezeigt habe. Davon hängt wesentlich ab, wieweit das Königtum auch in einer säkularen Welt überlebt. (2) Diese hier identifizierten Rollen rsp. ihre einwandfreie Erfüllung haben wohl seit dem Siegeszug des Parlamentarismus und der Medien in einem fast unmerklich ablaufenden, ja geradezu schleichenden Prozess auch eine Art legitimierenden Charakter erhalten. Dies merkt man daran, dass sich bei ihrer mangelhaften Ausübung, d.h. also bei ihrer Nichterfüllung Enttäuschung und Unzufriedenheit ja ein eigentlicher "Liebesentzug" zeigen, welcher in einer Infragestellung königlicher Privilegien respektive des monarchischen Systems insgesamt gipfeln kann. Die 1996 ergriffenen Massnahmen der britischen Königin Elisabeth II. zur Begrenzung der Auswirkungen der damals zahlreichen Skandale in ihrer Familie durch Zahlung von Steuern, Reduktion der Bezugsberechtigten von staatlicher Apanage etc.), also "Schadensbegrenzung durch Beschwichtigung" unterstreichen diese Aussage. Gleichzeitig bildet die einwandfreie Erfüllung der erwähnten Rollenanforderungen auch eine Art "Machtquelle" für den Monarchen. Wenngleich der Monarch nicht in billige Popularitätshascherei verfallen darf, so hat er wohl doch ein Gespür für die Bedürfnisse der Menschen zu entwickeln. Auf diese Bedürfnisse sind auch Protokoll und "Traditionen" auszurichten und gegebenenfalls anzupassen respektive zu modernisieren. Das Königtum hat sich deshalb flexibel zu zeigen. Um den Inhalt zu wahren, ist die Form, wenn nötig, zeitgemäß zu verändern. Gerade der mit Hilfe des Parlamentarismus ermöglichte Rückzug des Königtums aus den Bezirken der Macht ins Mythisch-Ideelle verschaffte der Institution den dazu nötigen Freiraum, den Respekt und die dafür unabdingbare (gesellschafts-)politische Glaubwürdigkeit (vgl. Spanien 1981 oder Thailand 1992). Jenseits tagespolitischer Niederungen (Wahlkämpfe, Parteienschacher etc.) kann sich der Monarch den wesentlichen, generationsübergreifenden Werten, Themen und Notwendigkeiten widmen - wie sie die Verfassungen vieler Länder zwar kennen, aber selten realisieren - und die gesellschaftlichen Gruppen zu ausgleichender Fair-neß mahnen und ermutigen. Erfolg in letzterem jedoch bedingt einen gewissen Einfluss, über den der Monarch allerdings nicht via Machtmittel, sondern als Ergebnis erworbener Achtung verfügen muss. Zu letzterem muss er jedoch charakterlich fähig sein. Unabdingbar ist hierfür so oder so die ethisch-moralische Integrität des Monarchen und seiner Familienmitglieder. Diese muss insbesondere über eine zielgerichtete Erziehung und Ausbildung mit entsprechender Persönlichkeitsbildung erreicht werden. Mit diesem Rüstzeug und mit Hilfe der Erfahrung, die er in Vorbereitung auf sein Amt von Geburt an sammeln kann, hat sich der König die Achtung und den Respekt der Gemeinschaft zu erringen, welche, wie vorhin erwähnt, die Basis seines Einflusses bilden. Auch die Umgebung, in welcher seine Kinder aufwachsen ist sorgfältig auszuwählen. Es schadet der Monarchie, wenn, wie nun in England vorgekommen, die Freunde des Thronfolgersohnes als "Junkies", d.h. als kokainkonsumierende Personen, entlarvt werden. Wichtig ist überdies, dass sich der König in der Tat als "Mitte" der Gemeinschaft und nicht (nur) als Spitze der Gesellschaftspyramide versteht. Gleichzeitig jedoch hat er eine gewisse natürliche Distanz zu wahren, welche die Menschen von dieser Instanz auch erwarten, und nicht ungebührlicher Anbiederung oder billiger Popularitätshascherei zu verfallen. * * * Die Monarchie des 20. Jahrhunderts ist mit Hilfe des Parlamentarismus zu einer "psychologischen" Staatsform geworden, in welcher der König als Träger der "Mitte" einer Gemeinschaft über den Mythos (gesellschafts-)politisch wirkt, ohne aber wirklich politisch zu sein. Darüber sollte sich jeder König klar sein. * * * Ein Thronanwärter einer ehemaligen Monarchie, rsp. ein Exil-König, der ernsthaftman eine Rückeroberung des Thrones denkt, hat noch einige andere Eigenschaften aufzuweisen. Gleichzeitig muss er fähig sein, eine Organisation auf die Beine zu stellen, die über genügend finanzielle, intellektuelle und personelle Ressourcen verfügt, um eine solche "Rückeroberung" zu planen und durchzuführen. Eine Rückeroberung ist wie ein Wahlkampf, nur etwas delikater, etwas riskanter und langfristiger. Der Thronanwärter muss Ausstrahlung, ja Charisma und Menschenkenntnis haben, denn er muss Menschen von sich und seiner Sache überzeugen und die richtigen für die verschiedenen Schlüsselpositionen in seiner Kampagne gewinnen bzw. auswählen können. Denn, nachdem er einmal seine Absicht kundgetan und die entsprechenden Mitstreiter ausgewählt hat, ist es vor allem an letzteren, für ihn das Terrain zu ebnen. Eine Niederlage nämlich wäre fatal (siehe Griechenland), da sie ein Comeback um Jahre, wenn nicht weitere Jahrzehnte verunmöglichen würde. Der Thronanwärter unterscheidet sich somit in dieser Phase nur graduell und wohl im Stil von einem Politiker in einem Wahlkampf, aber unterscheidet sich eminent von einem König, der bereits den Thron innehat. * * * 2) Kommen wir zu den Risiken im Charakter rsp. in der Persönlichkeit a) Risiken für den herrschenden König Die Risiken liegen für einen König darin, dass er die Erwartungen, die sich aus den verfassungsmässigen Pflichten und aus den psychologischen Rollen ergeben, nicht oder nur mangelhaft zu erfüllen weiss, weil er entweder nicht über die nötigen intellektuellen Fähigkeiten und den Spürsinn oder die verlangte moralische Integrität verfügt. Vielleicht ist er auch unfähig, mit den Medien sinnvoll (und nicht als Schläger) zu kommunikzieren oder ist sonst Oeffentlichkeitsscheu, was für die Monarchie fatal ist (man denke an die lange Abstinenz von Königin Viktoria von England nach dem Tod von Prinz Albert, welche der Monarchie sehr geschadet hat). Damals half nur der Trick von Premierminister Disraeli (Krönung Viktorias zur Kaiserin von Indien) diesem selbstgewählten inneren Exil ein Ende zu bereiten. Auch Lord Mountbatten wusste um diesen Umstand, weshalb er Prinz Charles einmal eröffnete:" In dieser Branche kannst Du kein schüchternes Veilchen sein." (3) Ein weiteres Risiko liegt darin, dass der König oder Thronfolger nicht bereit oder geeignet ist, sein Privatleben völlig hintenanzustellen und für den Staat und die Gesellschaft zu opfern. Die Verlockungen, nur von den wirtschaftlichen Vorteilen profitieren zu wollen (also ein schönes, finanziell unabhängiges Leben zu führen), und dafür aber nichts zu geben (keine Pflichten übernehmen), ist wohl heutzutage nicht zu unterschätzen. (In Klammer sei nur bemerkt: Genau diese Verlockung hält recht viele Mitglieder des Adels davon ab, wieder aktiv eine gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen). Wenn ein König gar am Sinn der Monarchie zweifelt, wie weiland die berühmte Sisi von Oesterreich, (die sich und ihresgleichen nur als Schmarotzer gesehen hat), so dürfte er oder sie auch auch fehl am Platze sein. b) Risiken in der Persönlichkeit des Thronanwärters Diese Risiken gilt es ganz besonders bei einem Exil-König oder Kronprinzen im Auge zu behalten, denn, aufgrund unserer obigen Analyse sind in diesem Fall die persönlichkeitsinhärenten "Tretminen" noch viel zahlreicher und vor allem wirken sie sich dahingehend gravierend aus, dass niemand an die Rückkehr der Monarchie glaubt bzw. niemand bereit ist, sich für einen solchen Thronfolger dafür einzusetzen. 3) Chancen im politischen, wirtschaftlichen und sozialen Umfeld Wie so oft (z.B. bei Parteien) gilt auch bei der Monarchie das Gesetz, dass neben den eigenen Stärken auch die Schwäche des Gegenübers als Chance gesehen werden kann. a) In den bestehenden Monarchien Je mehr aus den tagespolitischen Ereignissen klar wird, wie notwendig ein überparteiliches Staatsoberhaupt ist, umso eher kann von einer langlebigen Monarchie ausgegangen werden. Weitere Chancen im Umfeld ergeben sich für den König darin, wichtige Themen zu besetzen (Caritas, Umweltschutz, Gerechtigkeit etc) und sie geschickt vorzuleben oder zu propagieren, ohne daraus gleich einen politischen Feldzug zu konstruieren. Generell denke ich, kommt einem monarchisch-demokratischen Staatswesen unsere Zeit entgegen. "Unsere Seelen sind uns nicht nachgekommen" charakterisierten einmal Amazonas-Indianer im übertragenen Sinn eine solche Situation. (4) Probleme und Merkmale moderner Industriegesellschaften Aber es sind nicht nur diese rapiden Veränderungen, die den Menschen zu überfordern beginnen. Er sieht sich als Teil einer modernen und komplexen Industriegesellschaft auch konfrontiert mit deren systemimmanenten gesellschaftlichen Strukturen, die, stichwortartig zusammengefaßt, unter anderem in harten Wirtschaftszyklen mit zum Teil sozial gnadenlosen Strukturbereinigungen, und, wie einleitend schon erwähnt, einem Verfall respektive einer "Umwertung" aller Werte und Autoritäten, der Überbetonung des Technisch-Materiellen, der Zunahme der Problem-komplexität bei gleichzeitiger Abnahme der Lösungskapazität, dem Vorherrschen seelenloser Abstraktionen und egoistischer Partikularinteressen sowie der Vernachlässigung respektive Geringschätzung der seelisch-geistigen, ideellen Bedürfnisse des Menschen ihre Ausprägung finden. Diese Faktoren jedoch wirken nicht nur auf den einzelnen, sie bedrohen auch die innere Kohäsion insbesondere jener Gemeinwesen respektive Staaten, die sich aus verschiedenen Volksgruppen zusammensetzen und somit ethnisch und kulturell stark segmentiert sind. Eine Heterogenität, welche durch die aktuelle internationale Migration (Flüchtlinge) noch verstärkt wird. Zu dieser Segmentierung gesellt sich ferner jene allgemeine, ungeheure Ausdifferenzierung, welche die Gesellschaft moderner Industriestaaten in allen Bereichen (Bildung, sozialem Status, z.B. Arbeitende und Arbeitslose etc.) heute kennzeichnet. Die Gesellschaft beginnt sich ganz eigentlich zu atomisieren. Unterstützt wird diese unheilvolle Entwicklung hin zu "isolierten Zellen" ferner durch einen Trend, den die Trendforscherin Faith Popcorn, "Cocooning" in einer "Virtual reality" nannte, in der zwischenmenschliche Kommunikation nicht mehr nötig scheint, womit die Existenz aller Gemeinwesen in ihrem Kern bedroht ist. (5) Eine der Voraussetzungen zu einer solchen Entwicklung war nicht zuletzt die grosse Idee der Aufklärung, durch welche der einzelne Mensch in den Mittelpunkt gestellt wurde. Das Individuum und seine Bedürfnisse erfuhren gegenüber der Gemeinschaft eine beachtliche Aufwertung. Toleranz gegenüber der Individualität des Nächsten wurde zum Gebot. Doch die Zunahme der inneren Vielfalt geht heute vielfach einher mit einer Abnahme an Gemeinsamkeit und Toleranz. Die gesellschaftlichen Kräfte driften auseinander. In gewissen Ländern erheben so gar längst überwunden geglaubte faschistoide Bewegungen wieder ihr hässliches Haupt. Das Zusammengehörigkeitsgefühl schwindet. Egoistische Partikularinteressen schwingen obenauf und unterminieren das Fundament der staatlichen Gemeinschaft. Denn Partikularismus ist der Geisteszustand, in welchem sich die gesellschaftlichen Gruppen nicht für verpflichtet halten, mit den anderen zu rechnen. Sie verlieren, sei es aus Überschätzung der eigenen, sei es aus Unterschätzung der fremden Kraft, den Masstab für die eigenen Grenzen und fühlen sich als unabhängiges Ganzes. Eine Nation jedoch, so lernen wir von Ortega y Gasset, dem grossen spanischen Denker und Essayisten, ist letztlich "eine grosse Gemeinschaft von Individuen und Gruppen, die miteinander rechnen" und sich zur Durchsetzung ihrer Wünsche mit-einander ins Einvernehmen setzen. (6) Wie sehr ist doch die Bereitschaft gerade dazu vielerorts gesunken! Um als Einheit in einem solchen Umfeld zu bestehen, bedarf die Gemeinschaft starker integrativer Kräfte und Ideale. Zu den obenerwähnten, die Einheit bedrohenden Entwicklungen gesellt sich ferner der Umstand, dass wichtige ideelle Grundlagen einer staatlichen Gemeinschaft oft-mals nur noch in Abstraktionen existieren. Demokratie, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit et cetera mögen zwar grundsätzlich integrierende Prinzipien der betroffenen Länder sein. Allein diese Werte sind nur spürbar (insbesondere, wenn sie fehlen), aber selten unmittelbar sichtbar. Zwar mag sie der Verstand in den staatstragenden Institutionen (Parlament, Gerichte, Polizei, Armee etc.) mittelbar erkennen, allein, eine emotionale Bindung vermögen diese oft kaum respektive je länger je weniger zu erzeugen und die auf eine begrenzte Frist gewählten Politiker zumeist auch nicht. Die pluralistische, von vielen divergierenden Interessen bestimmte Gemeinschaft bedarf somit der dauerhaften, einheitsstiftenden und übergeordneten Idee in emotional erfassbarer Form - sie bedarf der Idee in Menschengestalt. Fehlende Verheißung Und das wichtigste Manko: Es fehlt heute vielerorts die motivierende, die Menschen begeisternde und anspornende gesellschafts- und staatspolitische Vision, es fehlt schlicht die Verheißung. In einem grossartigen Rückgriff auf Roms Aufstieg und Zerfall macht er uns klar: die Kraft der Einheit ist die "Frucht einer Erwartung". "Rom klang (...) nach grossen Unternehmungen, an denen alle mitarbeiten konnten; Rom war ein Plan zu einer Weltorganisation (...). An dem Tag, an welchem Rom aufhörte, ein Programm künftiger Taten zu sein, brach das Imperium auseinander"(7). - An welchem Tag sind wir angelangt? "Nicht das Gestern, das Vergangene, der überlieferte Besitz ist entscheidend für die Existenz einer Nation", so lehrt uns Ortega weiter; vielmehr bilden sich und bestehen Nationen "aus keinem anderen Grund, als weil sie etwas für morgen vorhaben". Der Wohlstand jedoch hat vielerorten satt gemacht und wer satt ist, ist meistens träge. Man klebt am Vergangenen, am Bequemen. Doch wirkliches, auch politisches Leben ist offenkundig "eine Tätigkeit, die nach vorwärts zielt und vom Jetzt auf die unmittelbare Zukunft geht. Der Widerhall der Vergangenheit genügt nicht zum Leben, wieviel weniger zum Zusammenleben. Darum sagte Renan, die Nation sei ein tägliches Plebizit. Im geheimen Herzen wird Tag für Tag Abstimmung gehalten, ob die Nation in Wahrheit als solche fortleben kann. Die Frage ist immer aufs neue: Was hält uns die öffentliche Gewalt an freudiger Zusammenarbeit für den nächsten Morgen bereit?" Dies braucht nicht schon ein detailliertes, kohärentes Konzept zu sein, es genügt die Vorstellung von etwas Wirklichem - "ein ideales Schema von etwas zu Verwirklichendem, (...) ein Plan, der den Willen stachelt, ein erträumtes Morgen, fähig, dem Heute Zucht und Richtung zu geben". (8) Ja, was haben wir hier in Europa für morgen vor? Welcher Traum führt uns? Ungestillte emotionelle Bedürfnisse und Sehnsucht nach Unsterblichkeit Zusätzlich bleibt gerade in unserer Welt einer zunehmenden emotionellen Verarmung und kalter Entmystifizierung, die allerdings nur eine Leere hinterlassen, die dann niemand mehr erträgt, der Hang des Menschen zur Liebe und Verehrung eines sichtbaren, der Normalität entrückten Objekts vielfach ungestillt - allen grossen Religionen zum Trotz. In seiner Not nun schafft er sich Ersatzobjekte. Ihre Zahl ist bekanntlich Legion. Gurus, Sport-, Pop- und Rockgrössen, Filmstars, Mitglieder des Hochadels et cetera wechseln in schneller Folge auf der "Verehrungsbühne". Damit einher geht auch eine Sehnsucht der Völker nach der "einfachen Sicherheit früherer Rituale" (z.B. einer königlichen Hochzeit), wie Edmund Leach, Anthropologieprofessor in Cambridge, schreibt; dies um so mehr, "je komplexer und unpersönlicher die Gesellschaft wird". Bekanntlich leben ganze Medienkonzerne von den einschlägigen "Berichterstattungen". Ein weiteres psychologisches Merkmal moderner Gesellschaften ist die Sehnsucht nach Unsterblichkeit, die Verdrängung des Todes. "Als Individuen und als Nation brauchen wir die ständige Bestätigung, dass wir trotz der Unausweichlichkeit des Todes unsterblich sind. Es hat keinen Sinn, den Glauben an Unsterblichkeit 'irrational' zu nennen - natürlich ist er das, aber psychologisch ist das Bedürfnis, irgend-eine Sicherheit des Überlebens zu verspüren, sehr tief verwurzelt", führt Leach weiter aus. (9) Zur Stillung dieser Sehnsucht bedürfte die staatliche Gemeinschaft somit einer Institution mit einem Bezug zu einer Ordnung der Zeit, in der das Werden sichtbar das Vergehen überspielt. Verfall an politischer Kultur Zu den letztgenannten, mehr psychologischen Faktoren gesellt sich überdies in etlichen Staaten ein Verfall an politischer Kultur. Wahlen und Wahlkämpfe (man denke etwa an das Polittheater von 1992 in Italien um die Kür eines neuen Staatspräsidenten oder das Gerangel im Vorfeld der deutschen Bundespräsidentenwahl um den Kandidaten Heitmann) verkommen zur Farce; Populisten und nicht Staatsmänner drängen nach vorn. Nicht der Tüchtigste oder der am besten auf das Amt Vorbereitete gewinnt vielfach die Wahl, sondern der Telegenste. Der Einfluss der Medien und somit die Art, wie sie jemanden behandeln, mit ihm umgehen, wird wahlentscheidend - gerade für das höchste Staatsamt vielerorts ein immer wiederkehrendes Vabanquespiel. Ebenso werden häufig langfristige Interessen der Allgemeinheit kurzsichtigen Vorteilen einzelner Gruppen geopfert; (komische Auffassung von Ehre im Spendenskandal der CDU oder die Gratis-Flugreisen gewisser Politiker der SPD); nur allzu oft auch endet der Machtkampf einzelner in einem Bürgerkrieg aller. Unbewußt oder bewusst empfinden die Menschen ein Bedürfnis nach an einer übergeordneten moralischen Instanz, die glaubwürdig, jenseits politischer Niederungen, die wichtigsten inneren Werte repräsentiert und vorlebt. Es fehlt ihnen eine gesellschaftliche, aber politisch neutrale "Mitte". Doch vergessen wir eines nicht: So gut die Chancen für die Monarchie durch diese Entwicklungen auch scheinen: Für die Rückeroberung eines Thrones nützen sie alle nichts, wenn die verfassungsrechtliche Situation dagegen spricht. Die wichtigste Chance im politischen Umfeld ist nämlich, dass der verfassungsrechtliche Status nicht sakrosankt als republikanisch verankert ist, da sonst alle Versuche, auch eine parlamentarische Monarchie einzuführen, als verfassungswidrig und damit strafbar angesehen werden können. * * * Wenn diese Hürde jedoch genommen ist, braucht es eigentlich nur noch genug Aufklärung der Massen über die Vorteile der demokratischen Monarchie. Es muss ihr klargemacht werden, dass jedes von Menschen geschaffene oder erdachte System, wie auch das der Demokratie, gewisser Korrerktoren bedarf, um nicht am Ende, durch Uebertreibung eines einzigen Prinzips, ins Negative zu kippen. * * * Lassen Sie mich zum Schluss kommen. Die demokratische Monarchie als stabiler Orientierungspunkt in einer sich in Windeseile durch Technologie und Innovationen auf allen Gebieten wandelnden Welt hat sicher auch im 3. Jahrtausend grosse Chancen, entweder als Staatsform beibehalten oder sogar neu eingeführt zu werden. Beides hängt zum einen von der Persönlichkeit des Monarchen rsp. Thronanwärters und/oder den politischen, wirtschaftliche und sozialen Gegebenheiten und vor allem der verfassungsrechtlichen Situation im jeweiligen Land ab. Doch aller Hindernisse zum Trotz ist eines klar: Die Chancen können nur genützt werden, wenn, insbesondere die Rückeroberung eines Thrones, mit mehr Professionalität angegangen wird. Professionell werden rsp. sein heisst: sich sowohl die modernen Technologien als auch die Erkenntnisse der Wissen-schaft, insbesondere im Bereich der Politik, Psychologie und der Kommunikation zunutze zu machen, ihre Konsequenzen zu verstehen und mit einer professionellen Organisationsstruktur anzuwenden. Dass Stadium des Dilettantismus, der reinen Liebhaberei muss verlassen werden, sonst lassen sich die Chancen nicht nützen. Die Monarchie rsp. ihre Exponenten und Anhänger sollten deshalb der Moderne aufgeschlossen gegenüberstehen. Der Blick zurück hilft nichts oder jedenfalls immer weniger. Man kann gewissen Errungenschaften der Moderne durchaus kritisch gegenüber-stehen wie ich das in meiner Einleitung ja auch angetönt habe, aber es ist tödlich, die Auswirkungen zu ignorieren oder zu unterschätzen. Wir haben mit ihnen zu leben und mehr noch, wir haben sie für unsere Zwecke auch zu nützen. Man mag hier einwenden, dass schon so viele gute Gelegenheiten auch hierzulande verpasst worden seien, die Monarchie wieder einzuführen, dass die ganze Bewegung hierfür kurz vor ihrem Ende stehe. In der Tat, wenn wir die jetzigen ver-fassungsrechtlichen Möglichkeiten nicht nutzen, landen wir wohl bald alle in der Illegalität. Dennoch sollten wir nicht aufgeben und uns vielmehr an das Wort ihres ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer erinnern, der einmal bekräftigt hat: "Wenn die andern glauben, man sei am Ende, dann muss man erst richtig anfangen" |
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