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Welche Staatsform hat geschichtliche Dauer?
Plädoyer für die Monarchie
von
Erik Ritter v. Kuehnelt-Leddihn
in: Criticón 35, Mai-Juni 1976

Wenn wir unter einem „Konservativen“ einen denkenden Menschen auf der Rechten verstehen, d.h. einen freiheitlichen, transzendentalen Pluralisten, der traditionsverknüpft, aber nicht traditionsbedingt Vernunft und Gefühl harmonisch in Einklang bringt, wird dieser auch wissen, daß Regiertwerden ein notwendiges Übel ist. Er wird als Christ vielleicht der Ansicht sein, daß der Staat das Resultat der Erbsünde, der menschlichen Unzulänglichkeit ist – eine Minderheitsmeinung unter den Theologen, die aber vom Schreiber dieser Zeilen vertreten wird.

Charles Maurras zitiere ich nur ungern, aber seine Bertung der Monarchie „Le moindre mal, la possiblité du bien“ trifft den Nagel auf den Kopf. Unsere Existenz hier auf Erden spielt sich in einem Tal der Zähren ab, und da sind selbst die idealsten Einrichtungen immer nur Stückwerk. Wir möchten aber zu unserer positiven Antwort noch gleich Einschränkungen vorbringen: Erstens, wo die monarchistische Tradition völlig fehlt und die Einführung der Monarchie aller Überlieferung zuwider wäre, müßte man jede künstliche Royalisierung ablehen, etwa im Falle der Schweiz, einem Land mit Sonderfunktionen. Zweitens sind wir über den Ausdruck „Monarchist“ nicht glücklich, weil er sprachlich mit dem Monarchismus (à la Sozialist – Sozialismus usw.) hinausläuft. Anhänger der monarchischen Staatsform zu sein, in unserem Fall der gemischten Regierungsform mit effektiver und nicht nur symbolischer Spitze, ist in der christlichen Tradition des Westens selbst noch keine Weltanschauung, sondern im Idealfall logischer Teil einer solchen. Ein Monarchismus als „Ismus“ kennen wir nicht.

Zweifelsohne hat der Mann auf der Rechten der Monarchie den Vorzug vor anderen Regierungsformen zu geben, und da das Rechte mit dem Richtigen wesensgleich ist (Man erlaube uns wieder diesen kompromißlosen Stand), möchten wir feststellen, daß auch von einem rein rationalen Standpunkt aus die Monarchie als Form des Regierens keinen ebenbürtigen Rivalen kennt. Sie gilt im Rahmen unserer Tradition von Plato über die Scholastiker bis zu den besten politischen Köpfen unserer Tage herauf als die beste Staatsform und deshalb auch ihre Karikatur – die Tyrannis – als die schlechteste. Corruptio optimi pessima, wie schon der Aquinate hervorhob.

25 Argumente für die Monarchie

Warum ist die (westliche, christliche) Monarchie, die eben keine Monokratie ist, den anderen Staatsformen vorzuziehen. Versuchen wir zuerst einmal eine Liste von 25 Punkten zusammenzustellen:

1. Die Verbindung des politisch und gesellschaftlichen Elements, hat doch der Monarch, obwohl primär ein gesellschaftliches Haupe, die Macht, in das staatliche Leben einzugreifen. Als Theodore Roosevelt Kaiser Franz Joseph fragte, was er denn in diesem fortschrittlichen 20. Jahrhundert als seine wichtigste Aufgabe betrachtete, antwortete ihm der Monarch „Meine Völker vor ihren Regierungen zu beschützen.“

2. Der Monarch ist kein Parteimann. Er wird von niemandem gewählt – auch nicht vom bösen Nachbarn, den man darob zürnen könnte. Durch den biologischen Prozeß ist er einfach da und ist Zu-Fall wie die eigenen Eltern.

3. Er wird von Kindesbeinen an für seinen Beruf vorbereitet und ausgebildet. Er ist ein Fachmann: die Koordination ist sein Métier. Das erste Recht eines Volkes, wie Peter Wolf sagte, ist gut regiert zu werden. Self-Gouverment is better than good goverment? Keineswegs, denn in der Praxis gibt es keine Selbstregierung sondern nur Mehrheitsherrschaft.

4. Da er sich die Krone nicht verdient hat, neigt er auch weniger zum Größenwahn als der erfolgreiche Karrierist. Die Religion zeigt ihm oft seine Nichtigkeit (Fußwaschzeremonie, Begräbnisformel der Habsburger...).

5. Als dritter Faktor (neben dem gesellschaftlichen und politischen) figuriert der religiöse. Die Krönung ist eine Sakramentalie. Die Monarchie lädt zur Perfektion ein – zur geistigen, wie auch zur seelischen. Die Zahl der heiligen Könige, Kaiser und ihrer Frauen ist groß.

6. Die Wahrscheinlichkeit einer überdurchschnittlichen geistigen Begabung auf erbbiologischer Grundlage ist gegeben. In den Dynastien, die aus einem Aggregat von auserlesenen Familien bestehen, werden spezifische Talente erhalten und weitergegeben. Oft allerdings begegnen wir einer Genialität, die in die Nähe des Wahnsinns gerät . ... In der Vergangenheit ein Problem, heute hingegen von der Medizin durchschaut. Der verrückte Monarch wird heute frühzeitig von den Regierungsgeschäften ausgeschlossen.

7. Die Monarchie hat einen übernationalen Charakter. Nicht nur sind meist Mutter, Frau, Schwäger und Schwiegerkinder „Ausländer“, sondern die Dynastien selbst in der Regel ausländischen Ursprungs. So waren im Jahr 1909 nur der souveräne Herrscher von Serbien und Montenegro lokaler Herkunft. Die Dynastien sind auch rassisch gemischt und stammen u. a. auch von Mohammed und Dschinghiskhan ab. Dies und ihr übernationaler Charakter geben ihnen einen doppelten Psychologischen Vorteil: die Chance, andere Völker (und Herrscherfamilien) besser zu verstehen und auch zum eigenen Volk eine objektive Distanz einzuhalten.

8. Die Monarchie ist mit dem Christentum oder zumindest einer ursprünglich christlichen Kultur durch ihren patriarchalen Charakter in einem harmonischen Einklang: das Vaterbild wurde durch Gott-Vater, den Heiligen Vater, die Kirchenväter, dem Pater Patriae, dem leiblichen Vater und Großvater bestimmt. Dazu bemerkte Abel Bonnard: „Der König war Vater seines Volkes, denn jeder Vater war König in seiner Familie.“ Dieser psychologische (mehr als theologische) Aspekt gilt für alle genuin christlichen Glaubensgemeinschaften, auch für jene, die die politische der kirchlichen Hierarchie gleichgesetzt oder mit Ihr verkoppelt haben. Doch die Autorität kommt stets von oben. Und wahrhaft gut regieren kann man nur mit Hilfe der Autorität, einer endogenen Kraft, und nicht durch Furcht, einer exogenen. Wie schon Joseph de Maistre sagte, können Millionen von Menshcen nur durch Religion oder Sklaverei regiert werden, also durch die innerlich rezipierte Autorität oder durch die zitternde Angst erzeugende Gewalt.Doch die Demokratie ist mit der Autorität nur mühevoll zu vereinen und deshalb auch nicht leicht mit dem Rechtsstaat.

9. Der höchste christliche Stellenwert der Monarchie liegt jedoch in ihrem Appell an die Liebe. eine Liebesgemeinschaft mit dem Regenten ist jedoch im Zahlenzauber der Demokratie nicht denkbar, da deren Wahlen jedesmal in Siegen und Niederlagen, Freudenausbrüchen und Enttäuschungen, Triumph und Zorn enden. Das ahnten wahrscheinlich auch Augustinus und Franz von Baader, als sie von der unersetzbaren Harmonie zwischen der Liebe und dem Dienen schrieben. Nur in der Liebe ist das Dienen kein Schmerz und keine Last . Lästige Politiker aber setzt man durch den Stimmzettel wie aufsässige Domestiken wieder an die Luft, denn sie sind ja auch nicht vom Schicksal zugeteilte „Eltern“, sondern nur Mietlinge.

Das Rad der Staatsformen

Lehnen wir uns nun ein wenig zurück und betrachten die Weltgeschichte. Die Monarchie, heidnisch oder christlich war immer die Dominante, Republiken waren kurze, falls nicht demokratisch strukturiert (wie im Falle Roms) auch lange Intervalle. Es gab nie eine Republik (außer der Schweiz), die nicht einmal eine Monarchie wurde oder in einer solchen aufging. Auch in republikanisch-demokratischen Perioden war die Kritik der Demokratie sehr scharf und Sokrates, der Homer gegen die republikanische Demokratie zitiert hatte, wurde deswegen ihr Opfer. Wenn nun Madariaga sagt, daß unsere westliche Kultur auf den Tod eines Philosophen und eines Gottessohnes ruht, so seien wir uns bewußt, daß beide das Opfer demokratischer Verfahren wurden. Pilatus war ein liberaler Relativist („Was ist Wahrheit?“) und befragte in Ermangelung fester Begriffe die Stimme des Volkes, die den davidischen Königsprozeß, der sich als König bekannte (Matth. 27, 11), zu Tode verurteilte. Aber eines ist sicher: es waren die Kirche und die Monarchen, die Monarchen und die Kirche, die für den Auftstieg Europas aus dem Chaos des finsteren Frühmittelalters zur Magistratur über fast den ganzen Erdball verantwortlich waren. Und kaum brach der Westen mit der Monarchie (1917-1918), kam auch der Sturz vom Gipfel ins Bodenlose – in Ohnmacht, Anarchie und Tyrannis.

Die Dark Ages of Democracy, von Herman Melville, Amerikas größtem Dichter des vorigen Jahrhunderts, so bezeichnet, brachen nun an. Das „Jahrhundert des einfachen Mannes“ (The Century of the Common Man) ist tatsächlich von wilden Schrecken gekennzeichnet: vielleicht war Wilhelm II. großsprecherisch und innerlich unsicher und Franz Joseph „verkalkt“, aber was für reizende Zeitgenossen waren sie im Vergleich zu Adolf Hitler; sicher war Nikolaus II. ein tatenloser Melancholiker, aber wie human und menschlich im Vergleich zu Lenin und Stalin; zweifellos war die Kaiserin-Witwe Ts’e-hi nicht aus Marzipan, aber was für eine nette alte Dame im Vergleich zu Mao und seiner edlen Gattin; Alfons XIII. war kein Genie, aber wie klub und angenehm im Vergleich zu solchen Genossen wie Azana, Largo Caballo und Indalecio Prieto.

Die Anakýklosis, das Drehen des Rades in der Evolution der Staatsformen, wurde von Plato und Polybius in rohen Umrissen gesehen: Monarchie – aristokratische Herrschaft – Demokratie – Tyrannis. In diesem Zyklus ist allerdings die Monarchie die Dominante. Nur sehen wir heute, wie schwierig der Übergang der Tyrannis in die Monarchie geworden ist, denn die vom „Fortschritt“ faszinierten Massen empfinden die Monarchie nicht als modern und die Tyrannis (die heute stets totalitäre Züge zeigt) steht prinzipiell links. (Für Goebbels kam die Monarchie „grundsätzlich“ nur mehr in Operetten vor“.) So einfach wie Napoleon wird es den Tyrannen jetzt nicht mehr gemacht. Ein Mann von Format, wie Isokrates, der die Monarchie herbeisehnte, ist jetzt in Europa selten geworden, weniger so in Lateinamerika, wo der Wahnsinn, die Verfassung der USA zu kopieren, kaum mehr wiederholt wird. Man empfindet dort die Militärdiktatur als notwendiges Korrektiv, weiß jedoch, daß sie keine Kontinuität besitzt. Also gibt es schon da und dort kleine Konvertikel, in denen man von der Monarchie träumt, die der Befreier des Südens, José San Martin, schon 1822 unerläßlich fand.

Die Monarchie kommt sicher zurück – es fragt sich nur, ob echt oder pervertiert, unter welchem Vorzeichen und in welchem Gewand. Big Brother als Monokrat ist eine permanente Gefahr, die dadurch größer wird, daß man die Monarchie mit idiotischen Argumenten immer noch weiter verteufelt. „Was macht man mit einem schlechten oder dummen Monarchen?“ fragt man mich gerne in Amerika. „Wenn wir einen minderwertigen Präsidenten haben, wird er nicht mehr wiedergewählt.“ Vielleicht, vielleicht aber auch nicht, denn die politisch ungeschulte Wählerschaft hat keine rationale Möglichkeit, einen guten von einem schlechten Präsidenten zu unterscheiden. Es kann ihnen der Kandidat nur „gefallen“ oder „nicht gefallen“, wozu seit dem Fernsehen das täuschende Lockbild des „flüchtigen Eros“, den er und seine Gattin ausstrahlte, dazugekommen ist.

Herbert Hoover, der einzige Präsident seit dem 1. Weltkrieg, der von der Amerikanischen Außenwelt keine Ahnung hatte, unterlag Franklin D. Roosevelt, einem krankhaften Mythomanen; Charles Hughes, der Amerika nicht in den mörderischen Dshihad to make the world safe for democracy geführt hätte, unterlag dank der Wähler in Kalifornien einem gefährlichen Narren wie Woodrow Wilson, einem Puritaner, Ignoranten und Rassisten. Nixon, der mit der größten Stimmenmehrheit in der amerikanischen Geschichte gewählt wurde (rather a crook than a nut kommentierte man in Hinblick auf seinen Gegner McGovern), endete seine politische Laufbahn in Schimpf und Schande. Kein Präsident (mit der möglichen Ausnahme von Hoover) hatte seit der Demokratisierung der USA 1829 staatsmännische Qualitäten.

Seien wir aber nicht kleinmütig. Alle Völker der Erde sind im Herzen Monarchisten, ob sie es nun realisieren oder nicht. Wenn Amerikaner dagegen protestieren, frage ich sie, ob Ted Kennedy, der wackere Chauffeur, der seine Freundin ersäuft hat, bei einer Kandidatur für die Präsidentenwürde (die er noch nicht realisieren kann), vielleicht nicht auf Millionen von Stimmen zählen könnte. Das wäre nicht das Resultat einer grenzenlosen Bewunderung für einen linksdralligen Nichtskönner und Nichtswisser, sondern einer alten Treue zur Dynastie der Kennedys. Niemand wagt mir da zu widersprechen. Eine Monarchie in Amerika, die schon der geniale Hamilton gefordert hatte? Rom betrachtete die Republik, bis sich schließlich Diokletian am Ende des 3. Jahrhunderts eine kleine, goldene Krone aufsetzte und Proskynesis verlangte. Man könnte sich gut vorstellen, daß in einem Land, das schon mehrmals Präsidenten aus der gleichen Familie hatte, schließlich es zur patriotischen Pflicht werden könnte – nach Abschaffung des 22. Amendment – den Präsidenten und seinen ältesten Sohn als Vizepräsidenten endlos wiederzuwählen. Schließlich hatten auch die Medicis, Florentiner Drogisten, anderthalb Jahrhunderte gebraucht, bis sie Großherzöge der Toskana wurden. Auch bei der Wahl des Römisch-Deutschen Kaisers wurde es nach der Regierung Friedrichs III. fast undenkbar (Karl VII. war eine Panne), keinen Habsburger mehr zu küren. De facto war unser Kaisertum eine Erbmonarchie geworden. Da die Verfassung der USA das Land weder eine Demokratie, noch eine Republick nennt, wäre dort der Übergang zur Monarchie vielleicht leichter als anderswo ...

Chancen der Monarchie

Hat aber die Monarchie, in welcher Form auch immer, bei uns eine reale Chance? Selbstverständlich. Wer Augen hat, der sieht die hippokratischen Züge auf dem Antlitz der Demokratie, die dank der Verfügungen des Alliierten Kontrollrates (ähnlich wie durch eine ander siegreiche Koalition die Bourbonen anno 1814) wiederhergestellt wurde. Doch ist dies ein Problem weit über den deutschen Rahmen hinaus und berührt die gesamte bedrängte Minderheit liberal-demokratischen Staaten in der von Diktaturen beherrschten Organisation der Vereinten Nationen, diesem Freuden haus ab East River. Man muß sich einmal damit abfinden, daß alles auf Erden vergänglich ist, auch die Demokratie.

Wie ein unbekannter Wiener Philosoph einst sagte: „Alles hat ein End, nur die Wurst hat zwei“! Was aber kommt danach? Es könnte besseres, aber auch schlechteres folgen. Die Medizin auf die Weimarer Republik war bedeutend ärger als die Krankheit. Nun aber wird die heutige strukturelle Situation der Demokratie von dem immer größer werdenden Abgrund zwischen Scita und Scienda charakterisiert, zwischen dem, was der „Gebildete“ weiß, und dem was er wissen sollte, um rationell fundierte politische Urteile abzugeben. Das kann er vielleicht noch in der Landsgemeinde des Kanton Glarus mit seinen 38 000 Einwohnern, aber in der Zeit der Massenmedien und des abgebauten Geschichtsunterrichts ist er bestenfalls ein Papagei ohne Federn. Und wenn es auch wahr sein sollte (was sehr zu bezweifeln ist!), daß die Scita immer noch in einer arithmetischen Progression wachsen, so tun dies in Scienda in einer geometrischen. Es wird der demokratische Amateurismus nicht nur sinnlos, sondern gemeingefährlich. Man braucht nicht übermäßig phantasiebegabt zu sein, um sich vorstellen zu können, daß morgen um 6 Uhr früh eine Gruppe von ernst dreinblickenden Militärs und Zivilisten den Präsidenten der USA aufwecken, um ihm zu sagen, daß er sich in den nächsten 180 Sekunden entscheiden muß, auf einen gewissen Knopf zu drücken oder nicht zu drücken. Keine Zeit mehr um eine Gallup-Poll, die Redakteure der „Washington Post“ oder selbst den Kongreß zu befragen! Schon also ist in den Händen des amerikanischen Präsidenten, eines Monokraten mit Zeitlimit, eine Macht vereinigt, um die ihn ein Ramses II., Cyrus oder Tamerlan beneidet hätten. Es ist tatsächlich, wenn wir an Zyklus der Staatsformen denken, viel, viel später als man glaubt.

Die Technokratie kommt mit tödlicher Sicherheit, und sie wird für die Freiheit ein schweres Problem darstellen. Kann sie mit ihr auf den gleichen Nenner gebracht werden? Sicherlich, aber nur dann, wenn sie nichttotalitär, „gezielt“ und beschränkt ist und nicht ideologisch ein Werkzeug der Despotie wird. Doch ein von Amateuren kontrolliertes Expertentum ist sinnlos. Es gehört nicht nur ein Organ des Dialoges mit den Beherrschten her, sondern auch eine höhere Kontrolle – sagen wir: nebst einem unabhängigen Höchstgericht auch ein Monarch mit Kronrat.

Hier läge die Hauptaufgabe einer neuen Monarchie vor. Sie kann als Restauration oder auch im Zuge einer Evolution kommen. Sie wird sich dank der Elektronik wahrscheinlich sehr harmonisch in die kommenden Zeiten einfügen können. Zwar ist sie am Anfang stets ein zartes Pflänzchen, dessen Wurzelfassung ein delikates psychologisches Problem bleibt. Republiken kann man über Nacht etablieren, Wahlen abhalten, Stimmen zählen – und schon hat man eine Regierung. Das geht geschwind, doch die Royalisierung eines Großvolkes braucht gute Weile. Vielleicht hilft da ein wenig die Nostalgiewelle , die einem tiefen Unbehagen in der „Moderne“ entspringt, deren Abstraktionen, wie z.B. das bloße Government by Law aus Papier und Paragraphen nicht befriedigen.

Die Antwort auf die Frage, ob der Mann der Rechten ein Befürworter der Mischregierung mit monarchischer Spitze sein soll, muß also hier noch einmal bejaht werden. Zum Unterschied von der These der republikanischen Demokratie steht die monarchische auf regionaler Grundlage.

Sie spricht auch das Gefühl an, denn ohne diesen Aspekt würde sie nur eine Unmenschlichkeit propagieren, gehören doch Herz und Hirn zusammen, wenn auch beim Menschen der Primat beim Denken und nicht beim Fühlen ist, das ohne Kontrolle leicht entgleiten kann. Sicherlich hat die Demokratie, die mit dem Schierlingsbecher des Sokrates moralisch unterging und in einem Wald von Guillotinen romantisch wiedergeboren wurde, durch ihre schwierige Synthese mit dem liberalen Prinzip an der Geburt der Moderne entscheidenden Anteil gehabt. Sie steht an unserer Wiege, doch wie jeder Absolutismus ist auch ihre Verabsolutierung, die gerade heute stattfindet, verhängnisvoll. Die absolute Monarchie kann zur gekrönten Tyrannis werden, die absolute Demokratie endet, wie schon der große Liberale Alexis de Tocqueville voraussah, in einem „sozialistischen“ Totalitarismus. Wir wir eingangs erwähnten, ist die große politische Tradition des Westens die gemischte Regierungsform, das regimen mixtum, und in diesem hat auch die „reelle“ Vertretung der Regionen, Stände, Klassen, Berufe, Meinungen ihren Platz. Es gibt kein gutes Regieren ohne Dialog zwischen Regierenden und Regierten, ohne freie Meinung und Gedankenaustausch. Darum waren auch in der Geschichte nicht die republikanischen Liktorenbündel (Frankreich unter Robespierre, Italien unter Mussolini), nicht die Jakobinermütze, das Hakenkreuz oder das rote Pentagramm, sondern die Krone was wahre Symbol der Freiheit.

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